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Yusuf Yeşilöz - Gegen die Flut (Rezension)

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Yusuf Yesilöz wurde 1964 in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien geboren. Als Flüchtling kam er 1987 in die Schweiz wo er heute mit seiner Familie in Winterthur lebt. Er arbeitet als freier Autor, Übersetzer und Filmemacher. Wiederkehrende Themen seiner Romane sind Migration und Integration kurdischer Flüchtlinge in der Schweiz. Darüber hinaus geht es in seinen Romanen und seinen Dokumentationen auch um Musik und künstlerische Identität. Der Roman "Gegen die Flut" beinhaltet all dies und noch etwas mehr: es geht um Liebe und Beziehungen im Spannungsfeld der Kulturen.

In "Gegen die Flut" geht es um den Kurden Alan, der seit vielen Jahren in der Schweiz lebt und ein relativ erfolgreicher Sänger kurdischer Volkslieder ist. Er ist in zweiter Ehe mit einer Schweizerin verheiratet, mit der er ein gemeinsames und ein adoptiertes Kind hat. Doch die Schatten seiner Vergangenheit führen zum Scheitern der Ehe und Alan muss sich in einem über die Seiten des Buches fortfahrendem Abnabelungsprozess mit dem Gedanken anfreunden, dass nicht der Kulturunterschied zum Scheitern geführt hat, sondern die mangelnde Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit. Aus einer ersten, von der kurdischen Familie arrangierten Ehe ging eine Tochter hervor, deren Aufwachsen er nicht miterleben konnte, da er nach der Trennung von seiner kurdischen Frau das kurdische Dorf verlassen hatte. Zum einen weil er in die Freiheit wollte und Musiker werden wollte, zum anderen, da er laut des kurdischen Verständnisses von Tradition Schande über die Familien gebracht hatte. Daraufhin versuchte er sein Glück in der Schweiz. Nur in seiner Musik kann er die Traurigkeit über die Erlebnisse und die Sehnsucht nach seiner alten Heimat zum Ausdruck bringen. In seiner neuen Heimat wissen außer seiner Frau nur wenige Menschen von seiner Vergangenheit und seiner zurückgelassenen Familie. Die Verzweiflung darüber brachte ihn bereits zweimal an den Rand des Selbstmords. Doch die Liebe zu seinen Töchtern brachte ihn jedes Mal zur Besinnung. "Dass er eine Familie verlassen hatte , vergaß er in den vielen Jahren in der Schweiz nie, und er stellte sich jeden Tag die Frage, ob es sich gelohnt habe, diesen Schmerz zu ertragen, um seiner eigenen Liebe nachzugehen und in einer Freiheit, die er gar nicht mehr hatte." Als Alan die Türkin Meryem genau dann kennenlernt, als sich die Trennung von seiner Noch-Ehefrau vollzieht, beginnt er, sich mit seiner eigenen Vergangenheit wieder auseinanderzusetzen und sich für eine Annäherung an seine erste Tochter zu öffnen.

Erzählt wird die Geschichte mit einer unterschwelligen Melancholie die allerdings keine übermäßige Traurigkeit oder Verzweiflung offenbart. Vielmehr wird über die Seiten des Buches deutlich, wie sehr der Protagonist in sich ruht und den Schlüssel zu seiner Vergangenheit und seiner Zukunft in der Auseinandersetzung mit sich und seiner Kultur findet. Es ist erstaunlich wie es Yesilöz gelingt, mit seiner Sprache den richtigen Ton zu finden, zumal er nicht in seiner Muttersprache schreibt. Im ganzen Buch finden sich keine Allgemeinplätze über Kulturunterschiede und keine pathetische Glorifizierung oder Kritik an der eigenen oder der fremden Kultur. Er stellt sogar durch den Protagonisten Alan die Frage, ob man als kurdischer Flüchtling wirklich zwischen zwei Kulturen hin und her gerissen ist, da Alan sich in der eigenen, kurdischen Tradition auch nicht zu Hause fühlt. Zuhause ist wohl da, wo die Kinder sind. Und da eines von Alans Kindern in dem kurdischen Dorf zu Hause ist, wird ein Teil von ihm auch immer dort zu Hause sein.

"Gegen die Flut" offenbart eine leise erzählte Geschichte voller Melancholie die einen Einblick in das Gefühlsleben eines kurdischen Mannes im Westen gewährt. Derjenige Leser, der eine blutige Geschichte mit einer Thematik wie Ehrenmord oder Blutrache erwartet, wird positiv überrascht sein über die Sensibilität und Differenziertheit der Romanfigur in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Kulturen. Sehr lesenswert gerade in heutigen Zeiten, die vielmehr von dem Kampf der Kulturen geprägt zu sein scheint als von der Versöhnung der Kulturen, wie sie in diesem Buch immer präsent ist.

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