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Urs Augstburger: Wässerwasser (Rezension)

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[Klappentext] Urs Augstburger, geboren1965 in Brugg, Journalist, lebt und schreibt in Ennetbaden (Aargau). 1997 erschien sein erster Roman "Für immer ist morgen". Es folgten 1999 "Chrom" und 2001 der Durchbruch mit dem Bergroman "Schattwand". 2004 erschien mit «Gatto Dileo» sein zweiter Erfolgsroman [...]






«In seinen Träumen schlichen die Geister in Gestalt von Nebelschwaden aus den Spalten, waberten in immer schnelleren Kreisen um ihn herum, bis er die Orientierung verlor und hinfiel und spürte, wie sich die Schleier eiskalt um seine Füsse schlangen, ihn zur nächsten Spalte zerrten, wo er ins Leere fiel, endlos.»


Vorwort: Zentrales Thema in Urs Augstburgers Roman ist das Wasser, inzwischen auch hin und wieder blaues Gold genannt. Das Szenario in Wässerwasser ist in einigen Teilen der Erde bereits heute Realität. Über einer Milliarde Menschen, primär in den Schwellenländern, fehlt bereits der Zugriff auf ausreichend Wasser. Inwzischen wird auch mit virtuellem Wasser gerechnet: Wasser das für die Herstellung von Gebrauchsgütern benötigt wird. Zum Beispiel  1 Scheibe Brot: 40 Liter • 1 Ei: 135 Liter • 1 Flasche Bier: 150 Liter • 1 Hamburger: 2400 Liter • 1 kg Reis: 3000 Liter •   1 T-Shirt: 4100 Liter • 1 kg Rindfleisch: 15500 Liter (Quelle: Klimawandel Global).

Zum Inhalt: Mit Wässerwasser legt Urs Augbsturger nach Schattwand und Graatzug den letzten Teil seiner fazinierenden Bergroman-Trilogie vor. Urs Augstburger wagt debei einen Blick in die Zukunft, genauer gesagt in das Jahr um 2040, wobei er - wie zuvor bei Schattwand und Graatzug, literarisch auf zwei Zeitebenen schreibt. Die Zweite, die längst vergangene: Um die Jahrtausendwende herum, was dem Handeln seiner Protagonist/Innen den notwendigen Hintergrund verleiht, gerade, weil sich Urs Augstburger in Wässerwasser mehr auf den Plot als auf die Personen konzentriert.

2040: Die Welt ist klimatisch längst aus den Fugen geraten. Die Gletscher so gut wie abgeschmolzen, macht der Klimawandel selbst vor der Walliser Bergwelt und dem Dorf Plon nicht halt. Dort liegt das Eden-Luxusresort der Familie Bohrer. Ein am Rand des hin und wieder noch Schatten spendenden Flischwalds gelegener Zufluchtsort vor dem "Klimastress" für gut betuchte Touristen. Bedroht von den sommerlichen Dürreperioden, massiven Gewitterfronten, Gerölllawinen und darüber hinaus ganz offensichtlich von Klimaterroristen, die Ihren Anteil an der dereinst wichtigsten und damit für viele nahezu unbezahlbaren Ressource haben möchten: Wasser. Das Wasser des Eden-Luxusresort, im See gestaut und irgendwo, bisher unentdeckt und in ungeahnter Menge – verborgen im Berg – angesammelt: Das ewige Wasser wie es Agnes Bohrer nennt, von dem ihr Vater Silvan Bohrer wusste, dass es da sein muss. Gefunden hat er es nie. Erst viele Jahre später, nach einem massiven Erdrutsch, wird der Berg sein Geheimnis widerwillig preis geben.

Immer wieder lässt Urs Augstburger in Rückblenden die Vergangenheit aufleben, vornehmlich druch Lucretia Camminada, die am Ende ihres Lebens angelangt, immer häufiger in ihre Erinnerungen abgleitet. Erinnerungen an die kurze aber glückliche Zeit in Gspona mit ihrem verunglückten Mann Peider Capun und die gemeinsame Zeit mit Severin Somm im Mörderhaus von Gspona (Schattwand) und später im Eden-Resort, in das sie kurz nach der Jahrtausendwende umsiedelte. So fädelt Urs Augstburger Erinnerungen in den Plot von Wässerwasser ein wie kleine Perlen auf eine Halskette. Nicht mehr als notwendig, aber auch nicht weniger.

Fazit: Wieder, wie in Schattwand und Graatzug zuvor, gelingt es Urs Augstburger traditionelle Legenden und Mythen der Walliser Bergwelt mit den Errungenschaften und dem Fluch des Fortschritts zu einem Stoff zu verweben, der die Familiensaga in ihrer Gesamtheit über mehrere Generationen von 1920 bis ins Jahr 2041 trägt. Subtil übt Urs Augstburger dabei Kritik an der Profitgier des ein oder anderen Global Players der Gegenwart, der bereits heute die Weichen für eine Monopolisierung zu stellen versucht. In Wässerwasser trägt dieser Global Player den Namen Pure Water. Ob Urs Augstburger einen Öko-Thriller geschrieben hat, wie hin und wieder zu lesen ist? In gewisser Weise ja auch, jedoch, so mein Empfinden, ist Wässerwasser nach wie vor unter der Gattung Roman besser aufgehoben.

Redaktionelle Anmerkung
: Weiter führende Themen zur Wassermonopolisierung finden Sie hier: Zum Beispiel kritische Anmerkungen zum CEO Water Mandate (PDF)  



 


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