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Stefan Petermann - Der Schlaf und das Flüstern
Geschrieben von: Andreas Schneider Donnerstag, den 19. November 2009 um 00:00 Uhr
Stefan Petermann gehört zu der vielversprechenden jungen Generation deutschsprachiger Schriftsteller. Auf die Welt gekommen 1978 in Werdau, gelegen im sächsischen Landkreis Zwickau. Ein vergessener Landstrich, könnte man meinen. Es folgt ein Studium in Weimar, wo er heute noch lebt. Die Erzählungen "Zitronenfalter, halt's Maul" und "nebenan" wurden kurzverfilmt und auf internationalen Filmfestspielen präsentiert. "Der Schlaf und das Flüstern", im asphalt & anders Verlag erschienen, ist Stefan Petermanns faszinierender Debütroman.
Vielleicht war es so, dass Stefan Petermanns Roman aus einer Floskel heraus entstanden ist, die uns oftmals über die Lippen geht, ohne das wir weiter oder gar ernsthaft darüber nachdenken: Könnte man nur einmal die Zeit anhalten. Stefan Petermann hat weiter darüber nachgedacht. Entstanden ist ein großartiger Roman, einer der besten, die ich die letzten Jahre gelesen habe, wenn nicht der beste. So viel vorab.
Zum Inhalt: Stefan Petermann erzählt die Geschichte vom Schlaf und dem Flüstern abwechselnd aus der Perspektive der beiden Protagonist/Innen Pola und Janek. Pola, die die Zeit anhalten kann und Janek, der diesem Geheimnis auf die Spur kommt. Ihre Wege kreuzen sich irgendwann in einem kleinen Ort Namens Lange Sömme, in dem es manchmal auch nachts noch nach Kamillenblüten riecht, einen Ort, den Menschen verlassen, auch Janek und Pola werden Lange Sömme verlassen, um wieder zurück zu kommen und ihre gemeinsame Geschichte zu Ende zu bringen. Ein Ort, an dem ein anderer Rückkehrer auf der außerhalb gelegenen Hasenheide einen Sportflugplatz eröffnet und von da an Menschen vom Himmel fallen, wo Schmetterlinge gesammelt und sorgfältig konserviert werden, um deren Schönheit so lange wie möglich zu bewahren.
Kraftvoll lässt Stefan Petermann Pola von ihren Empfindungen erzählen, wenn sie die Zeit anhält. Wie sie die Dinge im "Zustand" als Kind zunächst spielerisch beobachtet, später dann bewusst Ereignisse verändert. Und wie sie nicht zuletzt mit Esther die Welt umreist, zunächst, um die Schönheit unseres Planeten zu entdecken, dann, um … ich möchte an dieser Stelle keine weiteren Details verraten, was mir schwer fällt, aber Sinn macht.
Ebenso intensiv die Geschichte aus Janeks Sicht: Sein Leben vor der Begegnung mit Pola bis hin zu dem Moment, in dem er ihr Geheimnis entdeckt. Wie er ihre Schwäche nach dem Anhalten der Zeit erkennt und auf seine Art Einfluss nimmt.
Nichts in diesem Roman von Stefan Petermann ist nutzloses (literarisches) Beiwerk. Alles wird sich nach und nach zusammenfügen zu einem Gesamtbild. Mit nur einem einzigen Satz, irgendwo in der Mitte des Buches gelingt es Stefan Petermann, der Geschichte eine Wendung zu geben. Ein Satz, in dem der Flügelschlag eines Schmetterlings so wuchtig wirkt wie der Flügelschlag eines Adlers, der Schwung holt, um weiter durch Raum und Zeit gleiten zu können.
Fazit: Kann gut passieren, dass Sie bei meinem Fazit misstrauisch werden. Riskieren Sie dieses Leseerlebnis trotzdem. Aus meiner Sicht ist "Der Schlaf und das Flüstern" eine fast schon wundersam schöne Geschichte, die mir Stefan Petermann aufgetischt hat. Eine Geschichte, die mich bis in den letzten Winkel meiner Gedanken berührt hat. Das Zentrum kann ich noch nicht genau orten, es liegt vermutlich irgendwo zwischen Romantik und Sehnsucht, zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Eines jedoch müssen Sie selbst mitbringen: Die Stille der Zeit, um dieses Buch zu lesen. Ernsthaft.
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