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Manfred Rumpl: Ihr Mann und der Fremde (Rezension)
Geschrieben von: Andreas Schneider Samstag, den 14. Februar 2009 um 14:22 Uhr
Bereits im März 2008 erschien Manfred Rumpl’s zweiter Roman im Luftschacht-Verlag: Ihr Mann und der Fremde. Es sei, wie in der Verlagsbeschreibung nachzulesen ist, ein literarischer Porno. Das hat bei mir zunächst Schreckensvisionen hervorgerufen. Nicht weil ich prüde wäre, sondern eher, weil es unglaublich schwierig ist, auf diesem Gebiet neue Akzente zu setzen. Es soll bekannte Schriftsteller geben, die sich entsprechende Passagen von Spezialisten haben schreiben lassen. Nach dem Lesen bin ich beruhigt. Manfred Rumpl hat – im übertragenen Sinn – keineswegs die Hosen runtergelassen. Aber der Reihe nach.
Manfred Rumpl zeichnet die Geschichte eines Ehepaares nach, das im Grunde nie ein echtes Paar war, wie sich nach dem plötzlichen Tod Valerys mit einer beängstigenden Konsequenz herausstellen wird. Sie liegt mit zerbrochenem Körper vor dem Eingang eines Stundenhotels in einem zerfransten Bezirk Wiens. Ein Tod der viele Fragen aufwirft und genau so viele offen lässt. In drei Abschnitten seziert Manfred Rumpl mit einer fast schon schmerzhaften Melancholie den über die Jahre hinweg gescheiterten Lebensentwurf. Abwechselnd aus der Sicht Zetts und der Valerys. Was zunächst nach außen hin glücklich beginnt, Zett hatte sich immer eine attraktive Frau an seiner Seite, Kinder und ein gemütliches Haus am Stadtrand gewünscht, bricht in seiner Fragilität Stück für Stück auseinander:
Vielleicht wäre vieles anders gekommen, wenn er damals geahnt hätte, was er heute weiß.
Wochen nach Valerys Tod findet Zett mehr zufällig ihr Tagebuch und muss erkennen, dass seine Frau ein Doppelleben als Prostituierte geführt hat. Er kündigt seine Arbeit, er verkriecht sich in dem jetzt leeren Haus. Die Kinder gehen längst eigene Wege. Er muss die eigene Vergangenheit, sein Leben mit Valery völlig neu interpretieren, die Zeichen deuten, deren Sinn ihm bis dahin verborgen geblieben ist und sich der Frage stellen, wie alles so aus der Bahn geraten konnte.
Parallel zu Zetts verzweifelter Aufarbeitung der Ereignisse, gewährt Manfred Rumpl Einblicke in Valerys Einsamkeit und Verzweiflung in der Ehe, im "aneinander vorbei Leben mit Trauschein".
In der Vorstadt, wo das Haus steht, an einer Kastanienallee, ist dieses Vakuum von einer besonders verstörenden Intensität. Während die Zeit den Atem anzuhalten scheint, kann sie spüren, wie sich ihr der Tod nähert, langsam, doch unaufhaltsam, und mit einer Gelassenheit, die sie in die Enge treibt. Da ist das große Haus, durchflutet von sommerlichem Licht, der schattige Garten mit seinem kühlen Rasen, und dennoch kommt sie nicht vom Fleck, schrumpft zu einem Punkt der vor Ungenügen oszilliert.
Ihre Flucht in die Prostitution ist eine Flucht ohne Ausweg, weil sie dabei kein wirkliches Ziel vor Augen hat, bis ihr eines Tages der "Fremde" mit dem Namen Schwartz über ihre Agentur vermittelt wird. Aus dem erotischen Spiel der Beiden entsteht mehr. Sie überschreiten Grenzen, setzen viel, wenn nicht sogar alles aufs Spiel. Vielleicht eine Art amour fou, vielleicht eine Art sexueller Hörigkeit. Manfred Rumpl lässt die Frage offen bis zum dritten Abschnitt des Buches. Nachdem Tod Zetts, begibt sich die Tochter Ida auf die Spurensuche in der Vergangenheit. Sie sucht nach der zweiten Identität ihrer Mutter und sie sucht den Fremden, um Antworten auf quälende Fragen zu finden, die ihre Nächte mit unruhigen Träumen durchziehen.
Mit "Ihr Mann und der Fremde" hat Manfred Rumpl ein Buch geschrieben, das ein wenig an Arthur Schnitzlers Traumnovelle erinnert. Ein Buch, in dem die Illusion von der glücklichen Ehe als taugliches Lebensmodel und die mit ihr einhergehende Sprachlosigkeit hinterfragt wird. "Glauben Sie mir, selbst die Illusion ist eine Illusion" wird der Fremde irgendwann einmal sagen. Dabei gibt Manfred Rumpl seinen Figuren an den richtigen Stellen genügend Spielraum, um sie nicht in das literarisch Klischeehafte abdriften zu lassen. Allerdings bleibe ich nach dem Lesen, nach den letzten Zeilen ein wenig verstört zurück. Es kommt mir vor, als hätte Manfred Rumpl den einen oder anderen "Pinselstrich" bewusst außerhalb des Buches gemacht. Vielleicht in dem Bewusstsein, dass seine Leser/innen selbst in der Sprachlosigkeit leben, oder zumindest in deren Nähe. Laut Statistik wird jede dritte Ehe geschieden.
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