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Hanno Millesi - Der Nachzügler (Rezension)

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Hanno Millesi wurde 1966 in Wien geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte Kunstgeschichte und beendete dieses Studium mit der Promotion. Danach arbeitete er als Assistent von Hermann Nitsch und als freier Mitarbeiter im MUMOK. Außerdem ist er seit 1993 Gitarrist bei einer Band. Als Schriftsteller hat er schon eine Reihe von Werken veröffentlicht, nahm auch am Ingeborg Bachmann Wettbewerb teil und hat zahlreiche Preise erhalten. Erwähnenswert ist auch, dass er Mitbegründer des seit 2002 bestehenden Internetprojektes "Ignorama" ist.

Herr X ist nicht nur in "Der Nachzügler" eine Hauptperson, er ist auch der Protagonist von
Houellebecqs "Ausweitung der Kampfzone". Eine bemerkenswerte Idee von Millesi, die bestens funktioniert. Bis zur Hälfte des Buches hatte ich auch vor, "Ausweitung der Kampfzone" zu lesen um sozusagen den anderen Blickwinkel kennen zu lernen. Danach nicht mehr - ein derart langweiliger Protagonist reizt mich nicht. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass mir ohne diese Kenntnisse Entscheidendes entgangen ist.

Ganz anders ist der Protagonist im vorliegenden Buch. Der ist kein bisschen langweilig! Millesi schafft es, dass ich mir bis zum Schluss kein abschließendes Urteil über diese Figur bilden konnte. Ist er jetzt ein ungeschickter Möchtegerndetektiv, einer, der nichts Wesentliches herausfindet, sich dämlich anstellt, von Versagensängsten geplagt wird und sogar Herrn X irrtümlich für tot hält? Ist er ein erfolgloser Schriftsteller, der sich eine bequeme Scheinwelt aufgebaut hat? Oder soll ich mich doch lieber an seine scharfsinnigen Bemerkungen über die Literatur und den Literaturbetrieb halten?

Letzteres sind die Themen, denen er sich gedanklich während seiner lähmend ereignislosen Verfolgung widmet. Es geht um die experimentelle Literatur, um die Sprache, um Lesungen, Preise und Stipendien. Der Nachzügler stellt fest, dass er bei seiner Art von Kunst nicht einmal die Beobachtungen verwerten kann, oder er erfindet eine "Trainingshalle für Schriftsteller" oder eine Art literarische Guerilla-Truppe.

Interessant sind auch die Kapitelüberschriften, zB "Das Experiment als Äquivalent für die Entschlüsselung der Realität ist ein wirksames Instrument der Subversion".
Hier muss ich mich auf andere Rezensenten verlassen, die auf Pierre Bourdieus "Die Regeln der Kunst" verweisen. Ich kenne dieses Buch nicht, und es übersteigt meine Neugier, lediglich aus Recherchegründen über 500 Seiten Soziologendeutsch zu lesen.

Fazit: Eine überaus langweilige Beschattung konnte mich restlos überzeugen. Man könnte selbstverständlich den Anspielungen auf die erwähnten Bücher nachgehen, mich hat der Unterhaltungsaspekt mehr interessiert. Die Gedanken zur Literatur sind interessant, auffälliger ist jedoch, dass die Beschreibung der stinkfaden Verfolgung bis zum Schluss zu fesseln vermag. Natürlich führt Millesi auf diese Art Houellebecqs Roman vor. Aber er zeigt auch noch etwas ganz anderes: ein Könner kann aus dem nichtssagendsten Stoff eine lesenswerte Geschichte machen.

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