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Franzobel - Picus. Eine Strandnovelle (Rezension)

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Franzobel wurde 1967 in Vöcklabruck, Oberösterreich, geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte in Wien, war Komparse am Burgtheater und beschäftigte sich auch mit Malerei. Seit 1989 ist er als Schriftsteller tätig, er schreibt Romane, Kinderbücher, Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele. Sein Werk und die vielen Auszeichnungen sind zu umfangreich, um hier alle aufgezählt zu werden. Für den Text "Die Krautflut" erhielt er beispielsweise 1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis, zuletzt war er 2008 Inselschreiber auf Sylt.

Die Illustrationen - ja, es gibt noch illustrierte Bücher! - sind von Rita Berger. Sie wurde 1952 in Wien geboren, studierte an der Akademie der Bildenden Künste und an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt. Berger ist seit 1997 selbständige Grafikerin und hat ebenfalls mehrere Preise gewonnen. Das vorliegende Buch "erscheint aus Anlass des fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Picus-Verlags". Ein Portrait des Verlages im Wortreich finden Sie über die Backlink-Liste.

Zum Inhalt: Obwohl der Ich-Erzähler behauptet "Ich war niemals eine Schnapsdrossel, mehr eine Leseratte." und "So bin ich also aufgewachsen, früh verdorben, immer schon den Büchern zugetan, nie dem Schnaps." spaziert er verliebt nach ausgiebigem Schnaps-Genuss mit seiner Frau am Strand entlang. Die beiden entdecken einen angeschwemmten, geheimnisvollen Gepäckszettel eines gewissen Leo Lallemant. Wieder daheim, geht die Frau einkaufen und vor der Tür steht plötzlich Leo Lallemant mit einer unerfreulichen Nachricht: er ist der Tod, gekommen, den Ich-Erzähler zu holen. Dieser versucht, zu verhandeln: "Aber ich bin Schriftsteller und heute ist ein Montag." Schriftsteller müssen nämlich medial wirksam am Donnerstag sterben, damit der Nachruf in der Wochenendausgabe der Zeitung erscheinen kann. Schließlich erzählt Lallemant die Geschichte von Picus, der Circe widerstand und in einen Specht verwandelt wurde. Was die Frau bei ihrer Rückkehr am Schluss dann tatsächlich entdeckt, sei hier aber nicht verraten.

Den Inhalt kurz wiederzugeben ist im Fall dieser Novelle gar nicht so leicht. Franzobel amüsiert mit Wortspielen und Abschweifungen und denkt über die aberwitzigsten und absurdesten Angelegenheiten nach. Besonders gefallen hat mir die bereits erwähnte Passage welcher Wochentag für einen Schriftstellertod am besten ist, aber auch die Ausführungen zu Schnaps, Sprache und Bücher am Anfang sind wunderbar. Franzobels Stil ist witzig, wortgewaltig, sehr individuell und schwer zu beschreiben. Er spielt mit der Sprache, verwendet außergewöhnliche Bilder, erfindet neue Wörter. Am besten kommen Franzobels Texte übrigens laut gelesen zur Geltung, am allerbesten, wenn er sie selbst liest.

Fazit: ein sehr hübsches Bändchen, mit den Illustrationen liebevoll gestaltet. Der Text ist franzobel-typisch und daher stark Geschmackssache. Mir hat's gefallen. Ein Zusatzpunkt dafür, dass eine Novelle Novelle genannt wird und nicht Kurzroman.

Backlink-Liste: Eine Strandnovelle im Büchershop

 


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