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Eva Rossmann - Leben lassen. Ein Mira-Valensky-Krimi (Rezension)
Geschrieben von: Elisabeth Mittwoch, den 02. September 2009 um 12:13 Uhr
Eva Rossmann wurde 1962 in Graz geboren, heute lebt sie im Weinviertel. Ihre berufliche Karriere begann als Verfassungsjuristin im Bundeskanzleramt, danach war sie bis 1994 Journalistin. Seither ist sie Autorin. Außerdem gehörte Rossmann 1997 zu den Mitinitiatoren des Österreichischen FrauenVolksBegehrens und unterstützte 1998 Gertraud Knoll bei deren (erfolglosen) Kandidatur zum Amt des Bundespräsidenten. Zu ihrem Werk gehören Sachbücher, die sich mit der Situation der Frau beschäftigen, SOKO-Kitzbühel-Drehbücher und seit 1999 die Mira-Valensky-Krimis. "Wahlkampf" war das erste Buch dieser Reihe, "Leben lassen" ist das elfte. Zudem gibt es ein Kochbuch mit dem Titel "Mira kocht". Bei den Recherchen zu "Ausgekocht" hat die Autorin in Buchingers Gasthaus "Zur Alten Schule" gekocht, das tut sie gelegentlich immer noch und hat sogar den Lehrabschluss als Köchin nachgeholt.
Die Protagonistin und Ich-Erzählerin, Mira Valenksy, trägt deutliche Züge der Autorin: sie kocht leidenschaftlich gerne (ich liebe die Szenen, in denen sie Essen zubereitet und dabei nachdenkt), sie ist ausgebildete Juristin, arbeitet aber als Journalistin beim "Magazin". Ihr zur Seite steht Vesna, ihre bosnischstämmige Putzfrau (inzwischen mit eigenem Betrieb samt illegaler Nebenerwerbsdetektei) und Freundin, deren Zwillinge (die diesmal keine Rolle spielen) und ihr großer Bekanntenkreis. Es gibt die Katze Gismo, die Oliven liebt, Miras Ehemann Oskar, ein Anwalt, Miras klugen Kollegen Droch mit guten Kontakten zur Polizei, die Polizisten Zuckerbrot und Verhofen, die es nicht immer leicht mit der Journalistin haben. Soweit das feste Personen-Inventar, das man samt dessen Entwicklung aus den Vorgängerbänden kennt. Diesmal taucht allerdings noch Carmen, Oskars erwachsene Tochter, von der er bisher nichts wusste, auf.
Die Geschichte beginnt mit einer Bombendrohung auf einer Literaturgala im Wiener Rathaus. Rossmann verwehrt sich im Nachwort dagegen, dass sie die Buchliebling-Gala als Vorbild genommen hat (was nahe liegend wäre, da sie mit "Russen kommen" im Vorjahr einen Preis gewann), das sei so hingenommen. Mira war anwesend, weil sie am neuen Buch des aktuellen Lieblingsgurus der Gesellschaft, Weis, mitarbeitet. Und natürlich versucht sie, den Fall zu klären. Eine von Weis' Jüngerinnen verschwindet kurz nach der Gala, ihr Schuh wird in einer Recycling-Anlage entdeckt. Carmen erklärt sich bereit, den Lockvogel zu spielen. Außerdem spielt der schweigende Philosoph Zerwolf, in gewisser Weise Weis' Konkurrent um die sinnsuchende Kundschaft, eine Rolle. Hat er wirklich nachts Frauen belästigt? Während Mira Weis problemlos als Scharlatan mit dubiosen Methoden entlarvt, tut sie sich bei Zerwolf deutlich schwerer. Aus Sympathie, oder weil er doch der ist, der etwas zu sagen hat?
Wie bereits erwähnt, ist dies der elfte Krimi um Mira Valensky. Ich möchte gar nicht verhehlen, dass ich ein Fan bin und auch die Vorgänger gelesen habe. Ich mag Mira und Vesna, beides sind kluge Heldinnen nach meinem Geschmack und doch nicht davor gefeit, Fehler zu machen oder falschen Fährten, sei es bei der Lösung des Falles oder im Privatleben, zu folgen.
Die Beurteilung einer Reihe, der ich seit Jahren treu bin, ist schwierig - obwohl ja eigentlich schon in dieser Anhänglichkeit das größte Kompliment zu sehen ist. Rossmann konstruiert den Spannungsbogen geschickt, die "Erholungsphasen" durch Miras Kochen sind sehr angenehm. Auch die Mischung aus Privatleben und Ermittlungen stimmt. In jedem Band wird ein gesellschaftliches Thema kritisch aufgegriffen, diesmal die esoterische Sinnsuche samt ihren Auswüchsen. "Leben lassen" spielt zwar in Wien, das Lokalkolorit ist aber zu sparsam eingesetzt, um das Buch als Regionalkrimi einzuordnen. Außerdem ermittelt Mira nicht immer in Wien, es gab schon Krimis, die zB in der Karibik oder im Weinviertel spielten.
So spät in einer Reihe einzusteigen ist natürlich nicht empfehlenswert. Die einzelnen Bände sind durchaus in sich abgeschlossen, es gibt auch genug Erklärungen, um der Handlung folgen zu können. Mehr Genuss bereitet es sicherlich, am Anfang zu beginnen und die Entwicklung der Protagonisten zu verfolgen.
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