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Claas Triebel - Der Übergang

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Claas Triebel wurde 1974 geboren und arbeitet aktuell als Arbeits- und Organisationspsychologe. Neben der Teilnahme an verschiedenen Forschungsprojekten ist Claas Triebel Gesellschafter der Firma PerformPartner und unterstützt Unternehmen dabei, Kriterien und Verfahren zu entwickeln mit dem Ziel, die Personalauswahl zu optimieren. In seinem früheren Leben, so ist auf Claas Triebels Blog nachzulesen, habe er als Sänger, Keyboarder und Songwriter in einer Band gespielt sowie Musik für Film und Werbung gemacht. Als Autor verfasste Claas Triebel bisher Fachartikel sowie Fachbücher. "Der Übergang" ist sein Debütroman.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Autoren "nebenberuflich" schreiben. Der Verleger Stefan Buchberger (Luftschacht Verlag, Wien) sagte einmal, man müsse es sich leisten können, Verleger zu sein. Ähnliches gilt in der heutigen Zeit wohl auch für Autorinnen und Autoren. Man muss es sich leisten können. Eine simultan multiple Lebensführung, ähnlich wie der Protagonist Casimir Kaintz in Claas Triebels Roman "Der Übergang" sie betreibt, nur eben anachronistisch und aus anderen Beweggründen heraus.


Zum Inhalt: Casimir Kaintz lebte drei Mal. Sein erstes Leben endete nach vierunddreißig Jahren am Rande einer Landstraße im Süden Bayerns. So beginnt der Roman. Zum Verhängnis im ersten Leben wird Casimir Kaintz' Fähigkeit, überall Figuren sehen zu können: Elefanten, Hunde, Eulenaugen oder auch Fabelwesen – in Wolkenformationen, in Bäumen, Wasserflecken. Für einen Moment kann er während einer Urlaubsautofahrt im Profil des Karwendelgebirges seine Frau Dora und ihre germeinsamen Kinder Julia und Constantin erkennen. Ein Augenblick der Unaufmerksamkeit. Casimir erlangte erst wieder das Bewusstsein, als seine Familie ihr Leben verloren hatte.

Sein zweites Leben beginnt mit dem Kauf eines Hauses eben am Rande des Karwendelgebirges. Eine Flucht. Sein erstes Leben verschließt er hermetisch in einem gelben Container. Schnell nimmt dieses zweite Leben Casimir Kaintz' groteske Züge an. Minutiös beschreibt Claas Triebel die Entstehung einer Sekte die sich letztlich "Der Übergang" nennen wird. Zwei zufällige Begegnungen und Casimir Kaintz' Fähigkeit, überall Figuren sehen zu können, als ungewollter Auslöser.

Die erste der beiden Begegnung mit Alcantara, die apathisch, fast schon mutlos in einem der vielen, wie geklont wirkenden Zimmer seines neuen Hauses sitzt. Eine kräftige, gleichzeitig kleinwüchsige Frau, die er durch seine reine Anwesenheit und das Auflegen einer Hand auf den Rücken vor dem Erstickungstod rettet. Die zweite Begegnung mit einer Familie, die sich in ihrer Not dem Haus nähern. Casimir Kaintz hilft (eher passiv) der hochschwangeren Frau, das Kind auf die Welt zu bringen. Sie alle werden in diesem Haus bleiben. Und so wird aus Casimir Kaintz in seinem zweiten Leben nach und nach Kain, der Sektenführer. Ein Prozess, der permanent an Eigendynamik zulegt.

Mehr und mehr Menschen finden sich ein in dem Haus am Rand des Karwendelgebirges. Menschen die nach einem Halt suchen in einer haltlosen Gesellschaft, die sich an einer, wenn auch obskuren Spiritualität festhalten möchten, eine Spiritualität, die im Wesentlichen auf Imagination beruht, der Kraft der Einbildung. Die neuen Mitglieder bauen das Haus aus, sie arbeiten auswärts, um die Sekte zu finanzieren, sie unterwerfen sich dem strengen Diktat Alcantaras, der kleinwüchsigen Frau, die den Fortgang steuert, das Tempo fast schon militärisch verschärft..

Das Treiben gipfelt in einem streng durchorganisierten Sommerfest, auf dem Kain als Sektenführer den zahlreichen Gästen die Philosophie der Sekte näher bringen soll. Ein letzter Schauspielakt mit einer perfekt durchdachten, ihm vorgesetzten Dramaturgie. Höhepunkt und gleichzeitig das Ende des zweiten Lebens des Casimir Kaintz.

Sein drittes Leben beginnt Kain mit Ragna, die sehr früh zur Sekte gestoßen war und sich sehr früh wieder innerlich von dieser gelöst hat. Nicht die Kunstfigur Kain möchte sie, sondern den unscheinbaren, fast schon gläsernen Mensch hinter Kain: Casimir Kaintz. Ihr Weg in dieses neue Leben führt über Schlesien nach Island, wo Ragna ursprünglich herkommt. Eine Befreiung.

Mit Der Übergang hat Claas Triebel einen formidablen und sehr lesenswerten Roman vorgelegt. Einen detaillierten Roman über die willkürliche Entstehung einer Sekte, deren Sinn, wie sich herausstellen wird, nicht in den vorgeschobenen Dogmen (Liebe, Wahrheit, Schönheit, Ehrlichkeit...) zu suchen ist, sondern im monetären Bereich. Die Sekte  als Geschäftsmodell. Gleichzeitig weist Claas Triebel auf die Fragilität unserer Existenz hin, wenn nicht gar die unserer Gesellschaft. Eine Sekunde der Unachtsamkeit kann alles über den Haufen werfen, was zuvor als feste Größe galt.

Manchmal fehlt es der Sprache meinem Geschmack nach ein wenig an literarischer Kraft. Vielleicht liegt es in der Absicht des Autors, der Geschichte dadurch den notwendigen Freiraum zu lassen.

Für mich selbst als interpretierenden und spekulierenden Leser bleibt die Frage nach der Hauptintention Claas Triebels im Raum stehen, so es eine gibt. Wir werden in fragen.

Backlink-Liste: Im Büchershop Homepage Claas Triebel


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