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Christoph Fromm - Die Macht des Geldes (Rezension 2)

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Mit Vorworten ist das so eine Sache. Oft wirken und lesen sie sich wie ein Pflichtteil. Vermischtes in der Tageszeitung. Irgend jemandem gewidmet oder geschuldet. Man schleppt sich in Form eines Prologs über Seiten hinweg zum Anfang des eigentlichen Buches. Erklärend und erläuternd, als würden die jeweiligen Autoren dem nachfolgenden Inhalt selbst nicht so recht trauen. Und es gibt Vorworte wie das von Christoph Fromm zu seinem Roman ?Die Macht des Geldes", der eigentlich ein zweiteiliger Fernsehfilm werden sollte. Und hoffentlich wird:

Alle Personen in diesem Roman sind fiktiv, Übereinstimmungen rein zufällig und nicht beabsichtigt. Die Historie der BRD wird lediglich als Kulisse benutzt. Der Autor hält den Leser für intelligent genug, die Fiktionalisierung der politischen Ereignisse zu erkennen und richtig einzuordnen. Selbstverständlich findet man in der realen Geschichte der BRD keine Persönlichkeiten, die auch nur annähernd so skrupellos agiert haben, wie es der Autor hier beschreibt.

Und damit stecke ich bereits mitten drin im Schlammassel der deutschen Nachkriegsgeschichte, die naturgemäß durch das Ende des zweiten Weltkriegs und die anschließende Teilung maßgeblich beeinflusst wurde ? und wird. Ein Roman, vom Mauerbau bis zum Mauerfall. Im Mittelpunkt exemplarisch zwei Bänker: Helms und Steinfeld, deren Erzählgeschichte 1966 beginnt. Ersterer, Helms, Vorstandsvorsitzender einer großen deutschen Bank, der die Schuld für die deutsche Teilung bei sich sucht sowie Steinfeld, eine ähnlich rastlose Figur, von Helms protegiert, um irgendwann dessen Nachfolge anzutreten und das Werk der deutschen Wiedervereinigung ? als Kunstwerk von Macht und Geld ? zu vollenden. So der Plan.

Auf 543 Seiten lässt Christoph Fromm seine Protagonisten an den wichtigen und großen Rädern der politischen und wirtschaftlichen Weltereignisse drehen, in die die deutsche Geschichte eingebettet ist. Mit legalen Mitteln und weniger legalen: ?Es ist besser, wir begehen die Verbrechen als andere. Wir begehen sie wenigstens mit Verstand" sagt Helms, einem ureigenen Moralkodex folgend.

Nach ausführlichen Recherchen entwickelt Fromm ein Szenario, das das Thema der Deutschen Wiedervereinigung in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lassen kann. Schwierig, den Grad zwischen Fiktion und Realität auszubalancieren, damit nicht ?nur" eine weiter, oberflächliche und auf Effekte ausgelegte Verschwörungstheorie in den Bücherregalen landet. Christoph Fromm ist dieser Balanceakt gelungen.

Christoph Fromm ist noch etwas weiteres gelungen: Ich nenne es den Aquariumeffekt und führe ihn auf seine langjährige Erfahrung als Drehbuchautor zurück. Zunächst richtet er den Blickwinkel der Protagonisten und Antagonisten, sofern diese bewusste Unterteilung überhaupt Sinn macht, auf mich als Leser. Als wäre ich ein kleiner Fisch, den es zu füttern gilt. Passiv im Wasser treibend. Im Grunde trifft das zu. Was wissen wir wirklich von dem, was hinter den Kulissen von Wirtschaft und Politik geschehen ist und weiter geschehen wird? Welche Rolle spielte die RAF außer der, von der wir offiziell wissen? Die Vereinigung selbst ein Geschacher mit den einstigen Siegermächten? Das Wettrüsten in den kalten Krieg hinein ein politisches Machtinstrument um die Sowjetunion in eine finanzielle Position zu manövrieren, in der sie sich die DDR nicht mehr ?leisten" kann? Mit jeder Seite, die ich lese, kehrt sich dieser Effekt der äußeren Weltbeobachtung um. Christoph Fromm beleuchtet die einzelnen Figuren nicht nur im wirtschaftlichen und politischen Zusammenhang. Wesentlich genauer erfasst er sie in ihrem inneren, emotionalen Magnetfeld, dessen Pole ständig wandern, sich den Gegebenheiten anpassen oder sich ihnen entgegen werfen.

Die Gier nach Macht als Antriebsfeder, deren Grenzen immer weiter gesteckt werden müssen, um neue Reizpunkte zu setzen. Mit jedem neuen Detail, mit jedem neuen emotionsgesteuerten und doch exakt dosierten Schachzug verschieben sich die Perspektiven, bis ich als Leser nicht mehr der passiv im Wasser treibende Fisch bin, sondern der Beobachter, der das Aquarium von außen betrachtet, mit seinen exotisch schillernden Bewohnern. Allen voran Helms und dessen Tochter Katharina sowie Steinfeld und Vera Semjuschin, deren Lebensfäden untrennbar ineinander verwoben sind. Bis dass der Tod sie kappt, weil Steinfeld irgendwann nicht mehr in der Lage ist, seine innere Welt mit den aktuellen Kapiteln der Weltgeschichte zu synchronisieren.

Wie Eingangs erwähnt, hat Christoph Fromm mit dem Roman ?Die Macht des Geldes" Hochgeschwindigkeitsliteratur vorgelegt. Mit der Präzision des erfahrenen Drehbuchautors, der selbst scheinbar unwichtige emotionale Winkelzüge seiner Charaktere unter die Lupe nimmt und dabei nicht eine Zeile zu viel vorlegt. Hätte ich jemals gleichartige Machwerke aus dem amerikanischen Raum gelesen, könnte ich Vergleiche ziehen. Habe ich aber, um ehrlich zu sein, noch nie gemacht. Ob aus Opportunismus oder einfach, weil mir Titel von Bestsellerlisten suspekt sind, ich weiß es nicht so genau. Christoph Fromms Roman wünsche ich einen guten Platz auf den Bestsellerlisten. Ohne Vorbehalt.

Backlink-Liste: Im Büchershop Rezension von Anne Kempel Interview mit Christoph Fromm

 


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