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Rezensionen
Christoph Fromm - Die Macht des Geldes (Rezension 1)
Geschrieben von: daswortreich Donnerstag, den 17. Dezember 2009 um 23:31 Uhr
(von Anne Kembel) Ein großer, epischer Roman, in dem einem die Zeit des kalten Krieges und der scheinbaren Entspannung zwischen Ost und West vor dem endgültigen Niedergang des Kommunismus näher gebracht wird. Interessant, wie der Autor die fiktiven Möglichkeiten in die historischen Fakten einbettet – der Roman spielt ständig damit, was hinter den offiziellen Fakten passiert sein könnte. So erhält man zum Beispiel einen völlig neuen Blick auf die Entspannungspolitik Brandts und auf die NATO Nachrüstung.
Auch die durchaus nicht unrealistische Zusammenarbeit zwischen westdeutscher Industrie und ostdeutschen Geheimdiensten führt zu spannenden, mit einer gehörigen Portion Zynismus und Ironie gewürzten Szenen und scharf geschliffenen Dialogen, die an John le Carré erinnern. Das wirklich Einzigartige und Ungewöhnliche an diesem Roman aber ist die Hauptfigur, der schillernde, charismatische Banker Steinfeld. Steinfeld ist ein manisch depressiver Charakter, ein Getriebener, der immer nur den Weg zum Erfolg genießen kann, niemals aber den Erfolg. Bei den Jesuiten lernt er nicht nur, aus dieser Schwäche eine Stärke zu machen, sondern auch, seine ehrlichsten und tiefsten Gefühle zu instrumentalisieren, um sein Machtpotenzial zu vergrößern. So gelingt es ihm, im zweiten Teil des Romans, seinen Lehrmeister, den großen, alten Bankier Helms mit einer genialen, scheinbar karitativen Idee zu übertrumpfen, doch Steinfeld zahlt einen hohen Preis: Durch seine enge Symbiose mit dem Medium Fernsehen entwickelt er sich immer mehr zu einer medialen Persönlichkeit und nimmt seinen eigenen Tod quasi vorweg, indem er sich in der Macht auflöst.
Fromm ist Drehbuchautor und ist offensichtlich selbst gehörig durch die Mühlen der modernen Medienmaschinerie gedreht worden, manchmal führt ihm hier allzu sehr der Hass die Feder, aber gleichzeitig wagt er den spannenden Versuch, der gläsernen Empfindungswelt sogenannter medialer Menschen nachzuspüren, und in diesen Passagen erinnert Steinfeld nicht zuletzt an den kürz lich abgetretenen Medienkanzler. Die durch die modernen Medien veränderte Gedanken und Gefühlswelt ist ein hochaktuelles Problem, das uns alle angeht – und damit auch dieser Roman.
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