CB Login

banner-juha-nino-haratischwilli
dvd urban electronic poetry - 9,90 €

Britta Mühlbauer - Lebenslänglich (Rezension)

PDFDruckenE-Mail

„Lebenslänglich“ ist der Debutroman von Britta Mühlbauer. Sie wurde 1961 geboren, lebt in Wien und studierte Musik, Romanistik und Germanistik. Bisher veröffentlichte sie in Literaturzeitschriften und Anthologien. Dass dies ein Erstling ist, merkt man dem Roman nicht an. Für mich ist es eines der besten Bücher der Saison. Über 200 Seiten hinaus konnte mich in letzter Zeit eigentlich kein Autor fesseln, Mühlbauer schafft es auf 413 Seiten. Ein Pageturner der nachklingt. Was will man mehr?

Die Grundidee – eine Art Zwischenstation nach dem Leben - ist nicht neu: Nachdem ein Thermenhotel von einer Mure verschüttet wurde, finden sich zwei Dutzend „Überlebende“ in der Zeit danach immer wieder in einer Art Zeitschleife wieder. Tagtäglich erleben sie den Unglückstag wieder, es gibt keine Veränderungen. Nachts erleben sie in Alpträumen ihren Tod wieder und wieder. Aber es dauert lange, bis sie sich überhaupt an den Gedanken des Todes heranwagen. Zunächst wird versucht, Normalität zu spielen, zu ignorieren, was offensichtlich ist, und mit gesunder Ernährung, Gymnastik und ärztlichen Kontrollen dem Ende zu trotzen. Hier gelingt Mühlbauer eine köstliche Satire auf den Fitness-, Gesundheits- und Wellnesswahn, und sie teilt in alle Richtungen aus. Weder Medizin noch Scharlatane kommen ungeschoren davon. Die Geschichte selbst bleibt trotz des eingeschränkten Personals und des unveränderbaren Ortes faszinierend mit immer neuen Wendungen. Obwohl der ärztliche Leiter Monst eine Art totalitäres Gesundheitssystem zu installieren versucht, wird es nie allzu beklemmend. Dafür sorgt auch die Liebesgeschichte zwischen der Ärztin Inga und dem Ernährungswissenschaftler Gottfried. Ob man sich auch mit den Anregungen zum Nachdenken über Leben und Tod, über Festhalten und Loslassen, auseinandersetzen will, kann man selbst entscheiden. Mühlbauer bietet diese Ansätze unaufdringlich an. Ebenso unaufdringlich ist die Sprache. Ruhig, gekonnt, ein Transportmittel für die Geschichte, das sich nie in den Vordergrund drängt.

Erstveröffentlichung der Rezension im Blog von Elisabeth Pratscher

Backlink-Liste: Der Titel im Büchershop

 


blog comments powered by Disqus

Neue Bücher

Andreas Dury: Oh Tapirtier (Broschiert) Andreas Dury: Oh Tapirtier (Broschiert) €17.90
Andreas Dalberg: Was für ein Glück (Gebunden) Andreas Dalberg: Was für ein Glück (Gebunden) €17.90
Ulrich Magnus Hammer: Fanal (Gebunden) Ulrich Magnus Hammer: Fanal (Gebunden) €19.90
Steven Uhly: Mein Leben in Aspik (Gebunden) Steven Uhly: Mein Leben in Aspik (Gebunden) €22.95
Wir haben 23 Gäste online

Verwandte Beiträge

Edelweißpiraten: Die verlorene Generation.

Terminkalender

<<  Juli 2010  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So