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Rezensionen
Bernhard Seiter - Passenger Hammerschmid (Rezension)
Geschrieben von: Elisabeth Dienstag, den 12. Mai 2009 um 00:14 Uhr
Bernhard Seiter wurde 1964 in Bad Ischl geboren und lebt als freier Autor in Wien. Er arbeitete als Drehbuchautor (u.a. "Schwarzfahren"), war Mitbegründer und Redakteur der Zeitschrift "ray" (2000-2003), veröffentlichte eine Erzählung ("Solokabine") und seinen Debut-Roman "Elf Finger". In "Elf Finger" ging es um den fünfjährigen Jakob, der allein elf Stationen mit der U-Bahn fahren darf. "Passenger Hammerschmid" ist ein Poker-Roman. Schön, wenn sich ein Autor nicht auf ein Thema festlegt.
Redaktionsmodus an: Per E-Mail fragt Elisabeth Pratscher: " Wenn ein Buch mehr auf Poker- als auf Literaturseiten besprochen wird, darf man als nicht pokerspielender literarischer Laie überhaupt seinen Senf dazu geben?" Wir meinen: "Aber natürlich, man muss kein Schriftsteller sein, um lesen zu können, man muss kein Koch sein, um essen zu können, man muss kein Schneider sein, um Klamotten zu tragen, man muss nur gerne tun, was man tut. Ausgenommen davon sind Politiker, Arzte und Fußballer." Redaktionsmodus aus.
Hammerschmid, der Protagonist, ist ein Berufsspieler. Schon früh lernt er von seiner Mutter alle möglichen Glücksspiele. Selbst als die Mutter den Vater verlässt, würfelt sie, welche der vier Kinder sie mitnimmt. Das Los entscheidet für Nummer eins, Hammerschmids Bruder, und ihn selbst.
Die Brüder stehen in einem Wettbewerbsverhältnis zueinander das darin gipfelt, dass sie sich in dieselbe Frau, Annie, verlieben. Hammerschmid ist mit ihr verheiratet, aber sie verlässt ihn und geht zum Bruder. Im vorletzten Kapitel liefern sich die Geschwister ein Pokerspiel, in dem es um "alles" geht. Dieses Spiel ist detailliert wiedergegeben, für Nichtpokerspieler aber nicht sehr aufschlussreich.
Hammerschmid führt ein unstetes Leben, von Stadt zu Stadt, von Casino zu Casino, immer in Hotels, nach Annies Weggang beginnt er auch noch, die Spiele zu verlieren. Seine gesamte Habe passt in zwei Koffer, wenn er ein neues Kleidungsstück kauft, wirft er ein altes weg. Freunde hat er keine, nur den Orang-Utan Emil besucht er von Kindheit an regelmäßig im Zoo. Eine kindliche Mutprobe im Tiergarten hat ihn auch einen Arm gekostet, auf die andere hat er die Buchstaben H-A-N-D tätowiert.
Oft wendet sich der Protagonist in seiner Erzählung an seine Tochter. Es wird von "man" zu "ich" zu "er" gewechselt, ohne einen für mich erkennbaren Sinn oder ein Muster (das zu entdecken muss wohl dem zweiten Lesen des Buches vorbehalten bleiben). Störend ist dieser Wechsel überraschenderweise aber nicht.
Auch die Sprache ist abwechslungsreich. Seiter verwendet manchmal kurze, knappe, fast harte Sätze, dann wieder lange Passagen, in denen er Punkte durch Strichpunkte oder Beistriche ersetzt und so lange Satzungetüme schafft. Satzungetüme, die elegant wirken und einen eigenen, hypnotischen Rhythmus entwickeln.
Dazu kommen, sparsam eingesetzt, immer wieder kehrende Details wie "Are You going to Scarborough Fair" oder Serena und Venus Williams.
Fazit: eine intelligent komponierte und gekonnt umgesetzte Geschichte.
Backlink-Liste: Der Titel im Büchershop Blog von Elisabeth Pratscher
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