CB Login

banner-juha-nino-haratischwilli
dvd urban electronic poetry - 9,90 €

Adam Zielinski: Als die Russen nach Hirschberg kamen (Rezension)

PDFDruckenE-Mail

Adam Zielinski wurde am 22. Juni 1929 im galizischen Drohobycz südlich von Lemberg geboren. Sein Vater, der Rechtsanwalt Jan Karol, war bemüht, ihm die bestmögliche Ausbildung zu verschaffen. Als Adam Zielinski zwölf Jahre alt war, musste er zusehen wie Nazischergen am 1. September 1941 seinen Vater verhafteten. Jan Karol Zielinski wurde einige Tage später zusammen mit mehreren hundert Intellektuellen in Holobutów nahe bei Stryj erschossen.

Kurz danach verlor Adam Zielinski auch seine Mutter, so dass er seit seinem dreizehnten Lebensjahr ausschließlich auf sich selbst angewiesen war. Er ging nach Lemberg und besuchte dort ab 1944 nach der Rückeroberung durch die Russen wieder die Schule, im Jahr 1945 kam er nach Krakau, wo er sein Abitur an einem Gymnasium machte, um danach Sozialwissenschaften und Journalismus zu studieren. Er arbeitete dann als Journalist für den Polnischen Rundfunk, um dann im Jahre 1956 nach Österreich zu emigrieren. Seit 1959 besitzt Zielinski die österreichische Staatsbürgerschaft. Aufgrund der Gründung seiner eigenen, erfolgreichen Import-Export Firma namens COMPENSA besuchte Zielinski insgesamt 136 Mal China, 25 Mal Japan und 300 Mal Hongkong. Er machte sich bereits früh und regelmäßig Notizen und konnte somit die Voraussetzungen schaffen, im Alter von 60 Jahren eine zweite Karriere als Schriftsteller zu starten. Zielinski schreibt auf Deutsch und Polnisch.

Zum Inhalt: Beim Lesens des Erzählbandes "Als die Russen nach Hirschberg kamen- Und andere Geschichten" von Adam Zielinski musste ich immer wieder an meinen Großvater denken, der, nach der Aufforderung "Opa, erzähl doch noch eine Geschichte vom Krieg" durch seine kleine Enkelin, amüsant und anekdotenhaft seine Erlebnisse aus der Zeit vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg zum Besten gab.  Die eigentlich schwere Kost hat mein Großvater immer in gut verdaulichen Häppchen serviert und ich konnte nicht genug davon hören. Ähnlich empfand ich es als heute Erwachsene beim Schmökern durch den Band. Adam Zielinski nimmt den Leser mit auf eine narrative Reise durch das Jahrhundert, ein Jahrhundert des Schmerzes und Leides, in dem Krieg und Frieden, Trauer, Hoffnung und Zeitgeist bestimmend sind. Dennoch fehlt in keiner der kleinen Geschichten der Humor und  auf jeder Seite begegnet dem Leser das verschmitzte Lächeln des Erzählers.

Obwohl die Erzählungen jeweils nur einige Seiten lang sind, lernt man die Protagonisten medias in res gut kennen, da durch den Erzähler ein aufschlussreiches Bild gezeichnet wird. "Wollte der Dicke mit seinen Worten Ironie demonstrieren, so war er bei seiner Gesprächspartnerin auf dem Holzweg. Die nämlich war eine Vertreterin der Krasnojarsker Schule des Stänkerns. Wortmeldungen, wie sie sie eben gehört hatte, wussten dort bereits Neugeborene zu parieren." Der Erzähler führt den Leser auf einer Reise durch die Zeit und durch die Welt, gerade noch im heute ukrainischen Galizien befindet man sich in der nächsten Geschichte plötzlich im fernen Afghanistan oder in Mali. "Wenn man ein ganzes Jahr mit einem derart gescheiten Herrn spricht, wird man klüger als die anderen Tuareg. Folglich: Wer soll in der Oase das Sagen haben? Ibrahim oder Omar, der den Mut hat, sechzig Meter tief in die Erde hinunterzusteigen, um den Brunnen zu retten?" Fast immer haben die Figuren mit Widerstand zu kämpfen, doch für Resignation ist in diesem Erzählband kein Platz, dafür aber ausreichend Platz für die Hoffnung.  Kraft und Erkenntnisgewinn durch Veränderung. Darüber lassen sich die Erzählungen auf einen Punkt bringen. Und darin spiegelt sich auch Zielinskis Wesen wieder, getreu dem Auftrag seines Vaters, niemals aufhören zu Lernen. Und der Leser bittet: Nicht aufhören zu schreiben, Herr Zielinski!

Im Büchershop: Als die Russen nach Hirschberg kamen.
Backlink-Liste: Der Wieser-VerlagAlexandra Röllke

 


blog comments powered by Disqus

Neue Bücher

Andreas Dury: Oh Tapirtier (Broschiert) Andreas Dury: Oh Tapirtier (Broschiert) €17.90
Andreas Dalberg: Was für ein Glück (Gebunden) Andreas Dalberg: Was für ein Glück (Gebunden) €17.90
Ulrich Magnus Hammer: Fanal (Gebunden) Ulrich Magnus Hammer: Fanal (Gebunden) €19.90
Steven Uhly: Mein Leben in Aspik (Gebunden) Steven Uhly: Mein Leben in Aspik (Gebunden) €22.95
Wir haben 19 Gäste online

Verwandte Beiträge

Edelweißpiraten: Die verlorene Generation.

Terminkalender

<<  Juli 2010  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So