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Dzubilla, Harald: Zwei Handbreit unterm Nabel
Dzubilla, Harald: Zwei Handbreit unterm Nabel
Dzubilla, Harald: Zwei Handbreit unterm Nabel
€17.40
Erschienen: 02 2001
Verlag: ...mfb
Ausgabe: Broschiert
Land: Deutschland
Seiten: ...
Seiten: ...
ISBN 10:...
ISBN 13: ...
Versanddauer: 2 bis 3 Tage
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Über den Inhalt: Dieses Buch ist von vornherein als Bestseller geschrieben worden. Es wird also ein sehr beliebtes Buch sein. Sagt zu- mindest der Autor selbst, seit nahezu 3 Jahrzehnten auch bekannt als Spießer Alfons, mit dem passenden Augenzwinkern dazu. Gedacht ist das Buch für weibliche und männliche Leser. Es besteht aus vielen amüsanten Kurzgeschichten, die geeignet sind, graue Tage heiter und lange Bahnfahrten kürzer werden lassen. Das kann man nur bestätigen.
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Über den Autor: Harald Dzubilla ist Journalist, Verlagskaufmann, Werbetexter und Autor von rund 30 Hörspielen für Kinder ("Schubiduu...uh, das Schlossgespenst", "Detektiv Kolumbus & Sohn" u. a.). Seit über drei Jahrzehnten schreibt Dzubilla wöchentlich unter dem (ja, keiner hat jemals von ihm gehört) "Spießer Alfons" eine satirische Kolumne (nein, nicht satirisch, sondern sarkastisch) aus der großen bunten Welt der Werbung. Harald Dzubilla hat Karriere gemacht in den Verlagen Springer, Burda, Jahreszeiten und Bauer. Heute lebt und arbeitet er als freier Publizist und Verlagsberater in Ahrensberg bei Hamburg.
Leseprobe: Der über dieses Buch geneigte Leser erinnert sich vermutlich an mein Versprechen, das ich ihm eingangs gegeben habe: Eine erotische Geschichte wollte ich erzählen. Um mein Wort zu halten, bedurfte es einer Sammlung, und zwar von Erfahrungen. Erotische Erfahrungen, versteht sich. Und wo sammelt man erotische Erfahrungen? Natürlich dort, wo die Götter Amor & Eros zu Hause sind! Darum waren meine Gedanken mir schon vorausgeeilt, bewegten sich bereits dort, wohin ich noch gehen wollte, nämlich in einen orientalischen Harem!
Wie aber, lieber Leser, kommt ein deutscher Biedermann in den Harem vom orientalischen Muselmann? Harem, das leitet sich ab vom arabischen »haram« und bedeutet: verboten! Und wer die Geschichten kennt, die Scheherazade in 1001 Nacht erzählt hat, der weiß auch von den Eunuchen, die Außenstehende so gut wie nie in die Frauengemächer eines arabischen Scheichs hinein lassen. Und Andersgläubige schon gar nicht! Sollte ich eventuell zum Islam konvertieren ... ?
Auf jeden Fall könnte ich meine Reise ins Morgenland dem Finanzamt gegenüber als Dienstreise geltend machen, da ich diese wegen der Recherche für mein Buch machen musste. Ein Vorteil, den der Schriftsteller gegenüber einem Lohnbuchhalter genießt, der seine Pauschalreise nicht als geschäftlichen Aufwand verbuchen und absetzen kann! Aber was ist, wenn ich vor der Tür eines Harems stehe und ein Eunuch steht wachend davor wie der Engel mit dem Flammenschwert am Eingang zum Paradies ...?
Während ich so darüber nachdachte, kam folgender Gedanke in meinen Sinn: Möglicherweise gibt es auch hierzulande einen Harem, wo es doch zwischen Flensburg und Bodensee zahlreiche Moscheen gibt und wir den Moslems so häufig begegnen mit ihren Eheweibern, die ihre Haare unter Kopftüchern verstecken. So könnte ich dann meine erotischen Erfahrungen eventuell hier an Ort und Stelle sammeln, ohne das Risiko einer erfolglosen Orientreise in Kauf nehmen zu müssen.
Gedacht, gemacht. Ich nahm die Gelben Seiten zur Hand, blätterte unter »Erotik« nach und wurde alsbald fündig: »Harem«, las ich dort. Und dahinter: »Eine Oase für den gestressten Herrn ... erotische Verführung ... Lust ohne Tabus ... von Zo Uhr bis 4 Uhr nachts.« Und dieser Harem befand sich unweit des Stadtteils, in dem ich wohne, war erreichbar sowohl mit U- als auch S-Bahn. Ein Harem, der Männer einlädt zu einem Besuch, ist wohl ein öffentlicher Harem, dachte ich. Und so ein Liebesparadies sollte drum der Ort sein, wo meine erotische Geschichte sich abspielt, die ich tatsächlich und am eigenen Leibe erleben wollte, um sie hier, in diesem Buche, aus erster Hand zu erzählen.
Mein Taxi hält vor einem bürgerlichen Haus mit dem grünen Neonschriftzug »Harem«. Es sieht nicht gerade sehr orientalisch aus, dieses Haremshaus. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das in meiner Phantasie ausgemalt hatte. Es ist kurz nach Zo Uhr an einem Freitagabend im August. Der Tag war heiß, genauso wie mein Wille, ein erotisches Abenteuer live zu erleben.
Die Eingangstür vom Harem steht weit offen. Ich gehe hindurch und stehe nach kurzem Gang vor einer Tür, die verschlossen ist. Daneben eine Klingel. Ich drücke drauf, und im Inneren des Hauses ertönt ein Gong. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, beobachtet zu werden. Vielleicht eine versteckte Kamera ... ?
Die Tür öffnet sich, und ein Mann steht vor mir. Ein Haremswächter, denke ich. »Guten Abend, der Herr!« sagt der Mann. Es klingt nicht so, wie-ich mir die Stimme eines Eunuchen vorgestellt habe. Tiefer und eher norddeutsch.
»Äh, salem aleikum ... «, stottere ich und weiß im selben Moment, dass dieser Gruß nicht passend ist. Der Haremswächter grinst. »Ich bin der Lars«, stellt er sich vor und reicht mir die Hand. Auch dieser Name spricht nicht für den Orient, denke ich und sage: »Ich bin der Harald - hallo!«
»Bist du das erste Mal hier?«, will Lars wissen. Ich nicke. Und erkläre: »Ich bin beruflich hier.« Wieder grinst Lars. »Beruflich ist gut«, sagt er. Und während er mich ins Innere des Harems geleitet, meint er noch: »Hast aber `n geilen Beruf, was!?« Ich sage dazu nichts.
Ein Duft von Moschus weht mir entgegen. Genauer gesagt, ist es eine Duftwolke aus vielen Noten, so wie ich das kenne in Parfümerien, wenn die Verkäuferin aus einem Dutzend Fläschchen zur Probe gesprüht hat. Der Raum ist diskret beleuchtet. Im Mittelpunkt sehe ich eine Bar mit vielen Hockern. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen Sofas, auf denen vielleicht zehn bis zwölf Haremsdamen sitzen. Sie tragen weder morgenländische Gewänder noch Schleier oder orientalischen Schmuck. Sondern Miniröcke. Oder~ Abendkleider, die so freizügig geschnitten sind, dass die Stoffe mehr offen legen als verhüllen. Aus einer Stereoanlage kommt Musik, die auch nicht orientalisch klingt. Internationale Hitparade. An der Bar sitzt ein etwas korpulenter Mann mit einer jungen Frau. Vermutlich der Scheich. Oder ist es der Sultan mit seiner Lieblingsgespielin? Auf jeden Fall trägt er keinen Burnus und auch keinen Turban, sondern er ist europäisch gekleidet. Mit gelockerter Krawatte und gerötetem Gesicht hockt er auf dem Hocker. Alle Augenpaare im Raume richten sich auf mich. Ich habe das Gefühl, dass ich willkommen bin in diesem Harem.
Ich setze mich ebenfalls an die Bar und nicke dem Sultan zu. Der aber scheint kein weiteres Interesse an mir zu haben, beschäftigt sich lieber mit seiner Haremsdame. Ich betrachte die erotischen Bilder an den Wänden. Frivole Szenen, wie ich sie zuvor nur gesehen habe im Kamasutra. Lars, der Haremswächter, hat sich hinter die Bar begeben, fragt, was ich trinken möchte. Ich überlege. Was trinkt man in einem Harem? Oder was darf man überhaupt in einem Harem trinken? Wahrscheinlich keinen Alkohol, denke ich und bestelle ein Glas Mineralwasser. Ohne Kohlensäure. Lars guckt ungläubig, fragt mich: »Mit Eis und Zitrone?« Ich sage: »Nein danke!« und bekomme mein Wasser pur. Und im selben Moment wird mir bewusst, dass im Regal hinter Lars all die Flaschen stehen, deren Inhalt hochprozentig ist.
Ich nehme mein Wasserglas und drehe mich langsam auf meinem Hocker. Ganz vorsichtig um ca. 170 Grad. Ich schaue zu den Damen auf den roten Sofas. Sie erwidern meine Blicke. Ich lenke die Augen rüber zum Sultan am anderen Ende der Bar. Ihn scheint meine Anwesenheit in seinem Frauengemach gar nicht zu interessieren; er hat nur Augen für die Frau an seiner Seite, schleckt sie wollüstig ab. Die Dame ist blond und wirkt in ihrem Bikini-Oberteil wie eine Parodie auf Pamela Anderson. Ich sehe, dass eine Flasche Champagner vor ihr steht. Die Frauen auf den Sofas haben Sektgläser auf den Tischen. Und die sind leer.
Ich setze mein Wasserglas an den Mund. Und überlege, was wohl der Plural von Sekt, also Sekte, mit einer Sekte zu tun hat - als eine der Haremsdamen auf mich zukommt und spricht: »Guten Abend! Möchtest Du etwas Gesellschaft ...?«
»Äh ja«, sage ich erfreut, »liebend gern!« Die junge Frau setzt sich neben mich auf den Barhocker. Sie sieht hübsch aus. Nicht gerade orientalisch, aber leicht exotisch, wie ich finde. Lange schwarze Haare umrahmen ihr Gesicht. Große Augen schauen mich an. Die roten Lippen, ein wenig zu groß geschminkt, glühen glossig. Sie trägt ein kleines Schwarzes, das sehr weit über dem Knie endet und oben herum die kleinen aber feinen Rundungen voll zur Präsentation kommen lässt. Die Haremsdame ist eine Frau im besten Alter. »Ich heiße Vanessa«, stellt sie sich vor. Der Name klingt nicht wie aus Tausendundeiner Nacht, denke ich. Und sage: »Angenehm, ich heiße Harald. Wie Schmidt und Juhnke.
« Vanessa scheint die beiden Herren nicht zu kennen. »Bist du das erste Mal hier?« will auch sie von mir wissen. Ihr Deutsch ist tadellos. »Ja«, sage ich, »das erste Mal.«
»Darf ich etwas trinken?« erkundigt sich die Haremsdame. »Klar«, sage ich. »Was möchtest du denn? Eine Cola ...?«
»Wir Frauen dürfen hier nur Champagner trinken«, klärt Vanessa mich auf. Und ergänzt: »Kostet Zoo Euro - die halbe Flasche.
« Aha, denke ich, eine Anweisung vom Scheich, um die Stimmung in seinem Frauengemach zu heben! Und offensichtlich lebt der Herrscher des Harems nicht vom Erdöl allein: ioo Euro sind nicht gerade wenig. Aber ich erinnere mich daran, dass ich geschäftlich hier im Harem bin, und bestelle bei Lars, dem Bar- und Haremswächter, eine Flasche von der berühmten Witwe Clicquot.
Lars schenkt unsere Gläser ein. Vanessa nimmt einen Strohhalm, knickt diesen in der Mitte und quirlt mit beiden Enden ihren Champagner. Sie hätte wohl lieber Wein getrunken, denke ich. Aber sie muss sich vermutlich dem Diktat des Sultans beugen. Vanessa scheint meine Gedanken zu lesen. »Is' wegen der Kohlensäure«,sagt sie. »Sonst muss ich immer so viele Bäuerchen machen.« Aha. Ich hebe mein Glas. »Prosit, Vanessa!« Die Haremsdame lässt ihr Glas gegen das meine klingen. »Prost, Harald!« Vanessa lächelt. Und schaut mir tief in die Augen als wolle sie sagen: Harald, mit dir kam endlich ein Mann in diesen müden Harem - meine geheimen Sehnsüchte sind erfüllt!
»Wie äh ist es denn so im Harem?« beginne ich die Recherche für meine erotische Geschichte. »Sehr nett«, lächelt Vanessa. Ah ja, sehr aufschlussreich. »Kommst du aus dem Orient?« will ich wissen. »Ne, aus Polen«, sagt sie.
Aus Polen? Offensichtlich finden die Scheichs in Deutschland wohl keine Landsfrauen für ihren Harem, denke ich, so dass sie auf den Ostblock ausweichen müssen, um die Lust an der Vielweiberei auch hierzulande genießen zu können. Nun, mir soll's Recht sein. Und Vanessa spricht, wie bereits erwähnt, sehr gut Deutsch, während mein Arabisch nur dazu reichen würde, einen Mokka zu bestellen.
Der Kalif an der Bar - oder ist es ein Emir? - ist mittlerweile so abgefüllt, dass er seiner Haremsdame ungeniert in den Ausschnitt greift. Der Frau scheint das auch in meiner Gegenwart nicht unangenehm zu sein; sie juchzt vor Vergnügen und streichelt ihrem dicken Großmogul über die wenigen Haare, die er noch hat. Ich versuche, nicht hinzusehen. Die Damen auf den roten Sofas spielen derweil mit Gameboys, raten Kreuzworträtsel oder haben ein Handy am Ohr. Mit wem sie wohl telefonieren ... ? Auf jeden Fall schauen alle Mädchen ziemlich gelangweilt aus. Tote Hose im Harem, klar. Der einzige Gast in diesem Freudenhaus bin ich, und der Haushaltsvorstand ist voll und ganz beschäftigt mit der blonden Sirene an seiner Seite.
Vanessa nimmt die Champagnerflasche und gießt den Rest in mein Glas. »Oh, schon leer!« sagt sie verwundert. »Wollen wir noch eine Flasche trinken?« Dabei legt sie ihre Hand auf mein Knie. Ich komme auf dumme Gedanken. Wenn der Scheich so abgelenkt ist, denke ich, dann würde er es vielleicht gar nicht bemerken, wenn ich ein bisschen mit Vanessa schmuse!
Wieder scheint die Haremsdame meinen Gedanken zu ahnen. Sie ergreift meine Hand, legt sie auf ihren Oberschenkel und gemeinsam schieben wir sie in Richtung auf das, was sich zwei Handbreit unter ihrem Nabel befindet und bei allen Völkern der Welt schon Kabale und Liebe ausgelöst hat. Leicht öffnet Vanessa ihre festen, glatten Schenkel. Sie fühlen sich an, als wären sie mit orientalischem Öl eingerieben.
Meine Gedanken, vom Champagner beflügelt, werden frivoler. Meine Fingerspitzen berühren den Stoff von Vanessas Slip. Ihr scheint das zu gefallen. Sie kommt näher und flüstert mir ins Ohr: »Es gibt auch Zimmer hier ... nebenan!« Die polnische Haremsdame lächelt vielversprechend, der Duft ihres Parfüms ist betörend. »Zimmer? Äh ja, natürlich«, sage ich. Das klingt nicht gerade wie die Worte eines großen Verführers. Vanessa drückt ihren Unterleib genauso sanft wie fordernd gegen meine Hand, schaut mir dabei wieder tief in die Augen. Ich sehe dunkles Grün, in welchem bunte Blitze tanzen. Wie eine unendliche Wiese in den Strahlen der Sommersonne! Oder ist es eine Fata Morgana inmitten der Wüste? Egal, ich fühle, wie sich zwischen meinen Beinen ewas regt. Mein Stimmungsbarometer zeigt auf Hoch! Ich träume von einer Nacht auf orientalischem Diwan ... einem Bade zu zweit in lieblichen Essenzen ... leichte Entspannungsmassage mit duftendem Rosenöl, umfächert vom kühlen Hauch eines Palmenwedels. Dazu der nackte Leib von Vanessa, der sich wohlig windet und lustvoll stöhnt unter dem Streicheln meiner Hände ... »
Ich könnte Dir einen blasen!« unterbricht Vanessa meine Gedanken. Und die Romantik des Morgenlandes zerplatzt wie ein großer bunter Luftballon auf einer Nadel. Der Schleier des Orients wurde gelüftet durch den Originalton aus dem Okzident.
»Okay«, höre ich eine Stimme sagen. Es ist meine. Vanessa winkt rüber zu Lars. Der kommt und fragt, ob wir noch etwas zu trinken haben möchten. »Wir gehen nach oben«, sagt Vanessa. »Viel Spaß!« wünscht Lars und schaut aus, als gehöre dieser Gang nach oben zur Tagesordnung im Harem.
»Bekommen wir auch keinen Ärger?« frage ich die Haremsdame. »Ärger? Wieso?« fragt Vanessa. Und sie kommt zum geschäftlichen Teil des Abends: »Du musst nur `ne Flasche Schampus bestellen«, erklärt sie. »Die kostet 2oo Euro.«
»Äh, wieso 200 Euro ... ?« Ich bin leicht irritiert. Habe ich nicht zuvor bloß die Hälfte für den französischen Sprudel aus der Champagne bezahlt.
Im Preis ist das Zimmer enthalten«, klärt Vanessa mich auf. Ach so. Ich grinse. »Und du? Was ist dein Preis?« Die Haremsdame schüttelt den Kopf. Mit leichtem Vorwurf in der Stimme spricht sie: »Wo denkst du hin! Ich bin doch nicht käuflich!
« Lars bringt den Champagner, bevor ich die Flasche bestellt habe. Sie trägt nicht das Etikett der Witwe, sondern einen Namen, den ich nie zuvor auf einer Champagnerflasche gelesen habe. Ich denke: Egal, alles auf die große Spesenrechnung!
Der Haremswächter gibt Vanessa zwei Gläser. »Komm, wir gehen!« sagt die polnische Haremsdame zu mir. »Und vergiss den Schampus nicht!
« Ich nehme die Flasche in die linke und Vanessa nimmt meine rechte Hand. Wir machen uns auf den Weg nach oben ins Reich der Sinne, auf dass ich ein neues Kapitel schreibe im Kamasutra, auch wenn dieses Lehrbuch der Liebe ein indisches ist.
Wir gehen durch eine Tür hinter der Bar. Ein langer Gang folgt. Dann eine Treppe. Langsam gehen wir die Stufen nach oben. Es sieht aus hier wie in einem Hotel. Nur plüschiger. An den Wänden hängen ebenfalls erotische Illustrationen. In einer Ecke steht die Statue einer römischen Göttin in voller Nackt- und Schönheit. Und ich frage mich, was eine römische Göttin wohl in einem orientalischen Harem verloren hat.
Wir kommen an eine Rezeption. Dahinter sitzt ein älterer Herr vor einem Fernseher, auf dem ein Fußballspiel läuft. Der Mann begrüßt Vanessa wie eine gute Bekannte. Mich schaut er nur flüchtig interessiert an, sagt »'n Abend« und gibt Vanessa einen Zimmerschlüssel. Und ich spüre derweil, wie sich mein kleiner Freund dort unter meiner Gürtellinie fest darauf versteift, eine schöne Nacht im Harem durchzustehen.
Wir betreten das Zimmer. Schmusemusik kriecht aus versteckten Lautsprecherboxen. Im roten Schummerlicht erkenne ich ein französisches Bett.
Kissen und Handtücher liegen darauf. Vanessa riegelt die Tür von innen ab und schlüpft aus ihren hohen Schuhen. Plötzlich ist sie erheblich kleiner. Ich bücke mich, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben. Die Haremsdame deutet auf einen Fernseher in der Ecke und fragt: »Willst Du `n Sexvideo gucken?
« Sexvideo? »Nein, danke!« sage ich. »Ich möchte viel lieber dich begucken!
« Vanessa kichert. »Klar!« sagt sie. »Zieh' dich aus, dann gehen wir duschen!«
Ich tue, was sie sagt. Vanessa schlüpft aus ihrem Kleidchen. Sie trägt keinen BH. Ihre Brüste sind klein und knackig wie frische Apfel vom Baume der erotischen Erkenntnis. Nun steht sie vor mir im weißen String und strahlt mich an. »Gefalle ich dir?« will sie wissen. »Du schaust toll aus!« sage ich, und das Atmen fällt mir schwer. Vanessa zieht ihren Slip aus. Ich sehe ihre fein rasierte Muschi mit einem leichten Rest von Schamhaar. Ich ergreife ein Handtuch und binde es um meine Hüfte. Aus welchem Grund auch immer bin ich schamhaft bemüht, das äußerliche Merkmal meiner inneren Erregung nicht allzu sichtbar werden zu lassen.
Wir verlassen das Zimmer, gehen über den Korridor zum Bad. Zusammen stellen wir uns unter die Dusche. Vanessa streichelt mein Anhängsel, sagt lachend: »Ich glaube, er mag mich!«
Während der warme Regen aus der Dusche über unsere Körper perlt, denke ich: Junge, was tust du hier eigentlich?! Und eine innere Stimme spricht zu mir: »Auch dein Kollege Goethe hat am eigenen Leibe recherchiert, bevor er Worte zu Papier gebracht hat wie: >Wenn dir 's im Kopf und Herzen schwirrt, was willst du Bessres haben! Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben!
« Damit sind all meine Zweifel genauso verflogen wie meine Bedenken begraben sind. Wir beenden den Duschakt. Vanessa frottiert mich ab und dreht mir dann ihren Rücken zu, damit ich ihn abtrockne. Wir binden unsere Duschtücher wieder um die Hüften und gehen den Flur entlang in Richtung auf das Zimmer, worinnen unsere liebevolle Vereinigung passieren soll, der sexuelle Flug in den siebenten Himmel morgenländischer Erotik.
Plötzlich kommt uns im Korridor der Sultan entgegen! An seiner Seite die Sultanine von der Bar. Mit glasigen Augen schaut der Pascha mich an, stützt sich dabei auf seine Gespielin. Die lacht laut und ordinär, setzt eine Flasche Champagner an ihren Hals, reibt sich anschließend mit ihrem Handrücken über den Mund und rülpst.
Au weia, denke ich, spätestens jetzt erkennt der Sultan meine Absicht - nun gibt's Trouble! Gibt's aber nicht. Der Herrscher des Hauses, der Scheich, Mogul oder Großwesir, geht wortlos an uns vorüber, verschwindet mit seiner Konkubine in einem der Gemächer. Ich bin dem Schwerte des Eunuchen entgangen. Oder zumindest dem Rausschmiss aus dem Harem.
»Puh!« sage ich. Vanessa scheint keinen Schreck bekommen zu haben. Sie öffnet unsere Zimmertür. Wir setzen uns auf die große rote Spielwiese. Vanessa gießt den Schampus in die Gläser, macht wieder einen Strohhalm zum Quirl. Wie von unsichtbarer Hand geöffnet, lösen sich die Handtücher von unseren Lenden: Unsere erfrischten Leiber nähern sich. Ich spüre die Haut des Mädchens auf der meinen, atme den Duft ein, der aus seinem Haar strömt. Seine Hände bewegen sich unterhalb meiner Gürtellinie ...
An dieser Stelle muss ich meine erotische Geschichte leider unterbrechen mit dem Hinweis, dass es bei Erotik bleiben und nicht ausarten soll in nackte Sexualität. Versprochen ist versprochen. Schließlich will ich als Autor auch öffentliche Dichterlesungen aus meinem Werk machen, ohne rot zu werden bei der Schilderung meiner Liebesnacht, welche ich verbracht habe mit der Haremsdame Vanessa, die sich mir als polnische Tochter der griechischen Liebesgöttin Aphrodite offenbart hat.
Eine gute Stunde später habe ich mich von Vanessa verabschiedet. Von Lars ließ ich mir einen Beleg geben über Speisen und Getränke, obwohl ich außer ein paar gerösteten Erdnüssen an der Bar keine weiteren Speisen zu mir genommen habe.
Ich gehe hinaus in die Nacht. Wohltuende Kühle empfängt mich nach einem heißen Sommertag. Ich bin etwas durcheinander, versuche, meine Gedanken zu ordnen. Und wenn ich nicht genau wüsste, dass ich soeben in einem orientalischen Harem gewesen bin, lieber Leser - ich hätte das Etablissement für einen deutschen Puff gehalten!
Leseprobe: Der über dieses Buch geneigte Leser erinnert sich vermutlich an mein Versprechen, das ich ihm eingangs gegeben habe: Eine erotische Geschichte wollte ich erzählen. Um mein Wort zu halten, bedurfte es einer Sammlung, und zwar von Erfahrungen. Erotische Erfahrungen, versteht sich. Und wo sammelt man erotische Erfahrungen? Natürlich dort, wo die Götter Amor & Eros zu Hause sind! Darum waren meine Gedanken mir schon vorausgeeilt, bewegten sich bereits dort, wohin ich noch gehen wollte, nämlich in einen orientalischen Harem!
Wie aber, lieber Leser, kommt ein deutscher Biedermann in den Harem vom orientalischen Muselmann? Harem, das leitet sich ab vom arabischen »haram« und bedeutet: verboten! Und wer die Geschichten kennt, die Scheherazade in 1001 Nacht erzählt hat, der weiß auch von den Eunuchen, die Außenstehende so gut wie nie in die Frauengemächer eines arabischen Scheichs hinein lassen. Und Andersgläubige schon gar nicht! Sollte ich eventuell zum Islam konvertieren ... ?
Auf jeden Fall könnte ich meine Reise ins Morgenland dem Finanzamt gegenüber als Dienstreise geltend machen, da ich diese wegen der Recherche für mein Buch machen musste. Ein Vorteil, den der Schriftsteller gegenüber einem Lohnbuchhalter genießt, der seine Pauschalreise nicht als geschäftlichen Aufwand verbuchen und absetzen kann! Aber was ist, wenn ich vor der Tür eines Harems stehe und ein Eunuch steht wachend davor wie der Engel mit dem Flammenschwert am Eingang zum Paradies ...?
Während ich so darüber nachdachte, kam folgender Gedanke in meinen Sinn: Möglicherweise gibt es auch hierzulande einen Harem, wo es doch zwischen Flensburg und Bodensee zahlreiche Moscheen gibt und wir den Moslems so häufig begegnen mit ihren Eheweibern, die ihre Haare unter Kopftüchern verstecken. So könnte ich dann meine erotischen Erfahrungen eventuell hier an Ort und Stelle sammeln, ohne das Risiko einer erfolglosen Orientreise in Kauf nehmen zu müssen.
Gedacht, gemacht. Ich nahm die Gelben Seiten zur Hand, blätterte unter »Erotik« nach und wurde alsbald fündig: »Harem«, las ich dort. Und dahinter: »Eine Oase für den gestressten Herrn ... erotische Verführung ... Lust ohne Tabus ... von Zo Uhr bis 4 Uhr nachts.« Und dieser Harem befand sich unweit des Stadtteils, in dem ich wohne, war erreichbar sowohl mit U- als auch S-Bahn. Ein Harem, der Männer einlädt zu einem Besuch, ist wohl ein öffentlicher Harem, dachte ich. Und so ein Liebesparadies sollte drum der Ort sein, wo meine erotische Geschichte sich abspielt, die ich tatsächlich und am eigenen Leibe erleben wollte, um sie hier, in diesem Buche, aus erster Hand zu erzählen.
Mein Taxi hält vor einem bürgerlichen Haus mit dem grünen Neonschriftzug »Harem«. Es sieht nicht gerade sehr orientalisch aus, dieses Haremshaus. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das in meiner Phantasie ausgemalt hatte. Es ist kurz nach Zo Uhr an einem Freitagabend im August. Der Tag war heiß, genauso wie mein Wille, ein erotisches Abenteuer live zu erleben.
Die Eingangstür vom Harem steht weit offen. Ich gehe hindurch und stehe nach kurzem Gang vor einer Tür, die verschlossen ist. Daneben eine Klingel. Ich drücke drauf, und im Inneren des Hauses ertönt ein Gong. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, beobachtet zu werden. Vielleicht eine versteckte Kamera ... ?
Die Tür öffnet sich, und ein Mann steht vor mir. Ein Haremswächter, denke ich. »Guten Abend, der Herr!« sagt der Mann. Es klingt nicht so, wie-ich mir die Stimme eines Eunuchen vorgestellt habe. Tiefer und eher norddeutsch.
»Äh, salem aleikum ... «, stottere ich und weiß im selben Moment, dass dieser Gruß nicht passend ist. Der Haremswächter grinst. »Ich bin der Lars«, stellt er sich vor und reicht mir die Hand. Auch dieser Name spricht nicht für den Orient, denke ich und sage: »Ich bin der Harald - hallo!«
»Bist du das erste Mal hier?«, will Lars wissen. Ich nicke. Und erkläre: »Ich bin beruflich hier.« Wieder grinst Lars. »Beruflich ist gut«, sagt er. Und während er mich ins Innere des Harems geleitet, meint er noch: »Hast aber `n geilen Beruf, was!?« Ich sage dazu nichts.
Ein Duft von Moschus weht mir entgegen. Genauer gesagt, ist es eine Duftwolke aus vielen Noten, so wie ich das kenne in Parfümerien, wenn die Verkäuferin aus einem Dutzend Fläschchen zur Probe gesprüht hat. Der Raum ist diskret beleuchtet. Im Mittelpunkt sehe ich eine Bar mit vielen Hockern. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen Sofas, auf denen vielleicht zehn bis zwölf Haremsdamen sitzen. Sie tragen weder morgenländische Gewänder noch Schleier oder orientalischen Schmuck. Sondern Miniröcke. Oder~ Abendkleider, die so freizügig geschnitten sind, dass die Stoffe mehr offen legen als verhüllen. Aus einer Stereoanlage kommt Musik, die auch nicht orientalisch klingt. Internationale Hitparade. An der Bar sitzt ein etwas korpulenter Mann mit einer jungen Frau. Vermutlich der Scheich. Oder ist es der Sultan mit seiner Lieblingsgespielin? Auf jeden Fall trägt er keinen Burnus und auch keinen Turban, sondern er ist europäisch gekleidet. Mit gelockerter Krawatte und gerötetem Gesicht hockt er auf dem Hocker. Alle Augenpaare im Raume richten sich auf mich. Ich habe das Gefühl, dass ich willkommen bin in diesem Harem.
Ich setze mich ebenfalls an die Bar und nicke dem Sultan zu. Der aber scheint kein weiteres Interesse an mir zu haben, beschäftigt sich lieber mit seiner Haremsdame. Ich betrachte die erotischen Bilder an den Wänden. Frivole Szenen, wie ich sie zuvor nur gesehen habe im Kamasutra. Lars, der Haremswächter, hat sich hinter die Bar begeben, fragt, was ich trinken möchte. Ich überlege. Was trinkt man in einem Harem? Oder was darf man überhaupt in einem Harem trinken? Wahrscheinlich keinen Alkohol, denke ich und bestelle ein Glas Mineralwasser. Ohne Kohlensäure. Lars guckt ungläubig, fragt mich: »Mit Eis und Zitrone?« Ich sage: »Nein danke!« und bekomme mein Wasser pur. Und im selben Moment wird mir bewusst, dass im Regal hinter Lars all die Flaschen stehen, deren Inhalt hochprozentig ist.
Ich nehme mein Wasserglas und drehe mich langsam auf meinem Hocker. Ganz vorsichtig um ca. 170 Grad. Ich schaue zu den Damen auf den roten Sofas. Sie erwidern meine Blicke. Ich lenke die Augen rüber zum Sultan am anderen Ende der Bar. Ihn scheint meine Anwesenheit in seinem Frauengemach gar nicht zu interessieren; er hat nur Augen für die Frau an seiner Seite, schleckt sie wollüstig ab. Die Dame ist blond und wirkt in ihrem Bikini-Oberteil wie eine Parodie auf Pamela Anderson. Ich sehe, dass eine Flasche Champagner vor ihr steht. Die Frauen auf den Sofas haben Sektgläser auf den Tischen. Und die sind leer.
Ich setze mein Wasserglas an den Mund. Und überlege, was wohl der Plural von Sekt, also Sekte, mit einer Sekte zu tun hat - als eine der Haremsdamen auf mich zukommt und spricht: »Guten Abend! Möchtest Du etwas Gesellschaft ...?«
»Äh ja«, sage ich erfreut, »liebend gern!« Die junge Frau setzt sich neben mich auf den Barhocker. Sie sieht hübsch aus. Nicht gerade orientalisch, aber leicht exotisch, wie ich finde. Lange schwarze Haare umrahmen ihr Gesicht. Große Augen schauen mich an. Die roten Lippen, ein wenig zu groß geschminkt, glühen glossig. Sie trägt ein kleines Schwarzes, das sehr weit über dem Knie endet und oben herum die kleinen aber feinen Rundungen voll zur Präsentation kommen lässt. Die Haremsdame ist eine Frau im besten Alter. »Ich heiße Vanessa«, stellt sie sich vor. Der Name klingt nicht wie aus Tausendundeiner Nacht, denke ich. Und sage: »Angenehm, ich heiße Harald. Wie Schmidt und Juhnke.
« Vanessa scheint die beiden Herren nicht zu kennen. »Bist du das erste Mal hier?« will auch sie von mir wissen. Ihr Deutsch ist tadellos. »Ja«, sage ich, »das erste Mal.«
»Darf ich etwas trinken?« erkundigt sich die Haremsdame. »Klar«, sage ich. »Was möchtest du denn? Eine Cola ...?«
»Wir Frauen dürfen hier nur Champagner trinken«, klärt Vanessa mich auf. Und ergänzt: »Kostet Zoo Euro - die halbe Flasche.
« Aha, denke ich, eine Anweisung vom Scheich, um die Stimmung in seinem Frauengemach zu heben! Und offensichtlich lebt der Herrscher des Harems nicht vom Erdöl allein: ioo Euro sind nicht gerade wenig. Aber ich erinnere mich daran, dass ich geschäftlich hier im Harem bin, und bestelle bei Lars, dem Bar- und Haremswächter, eine Flasche von der berühmten Witwe Clicquot.
Lars schenkt unsere Gläser ein. Vanessa nimmt einen Strohhalm, knickt diesen in der Mitte und quirlt mit beiden Enden ihren Champagner. Sie hätte wohl lieber Wein getrunken, denke ich. Aber sie muss sich vermutlich dem Diktat des Sultans beugen. Vanessa scheint meine Gedanken zu lesen. »Is' wegen der Kohlensäure«,sagt sie. »Sonst muss ich immer so viele Bäuerchen machen.« Aha. Ich hebe mein Glas. »Prosit, Vanessa!« Die Haremsdame lässt ihr Glas gegen das meine klingen. »Prost, Harald!« Vanessa lächelt. Und schaut mir tief in die Augen als wolle sie sagen: Harald, mit dir kam endlich ein Mann in diesen müden Harem - meine geheimen Sehnsüchte sind erfüllt!
»Wie äh ist es denn so im Harem?« beginne ich die Recherche für meine erotische Geschichte. »Sehr nett«, lächelt Vanessa. Ah ja, sehr aufschlussreich. »Kommst du aus dem Orient?« will ich wissen. »Ne, aus Polen«, sagt sie.
Aus Polen? Offensichtlich finden die Scheichs in Deutschland wohl keine Landsfrauen für ihren Harem, denke ich, so dass sie auf den Ostblock ausweichen müssen, um die Lust an der Vielweiberei auch hierzulande genießen zu können. Nun, mir soll's Recht sein. Und Vanessa spricht, wie bereits erwähnt, sehr gut Deutsch, während mein Arabisch nur dazu reichen würde, einen Mokka zu bestellen.
Der Kalif an der Bar - oder ist es ein Emir? - ist mittlerweile so abgefüllt, dass er seiner Haremsdame ungeniert in den Ausschnitt greift. Der Frau scheint das auch in meiner Gegenwart nicht unangenehm zu sein; sie juchzt vor Vergnügen und streichelt ihrem dicken Großmogul über die wenigen Haare, die er noch hat. Ich versuche, nicht hinzusehen. Die Damen auf den roten Sofas spielen derweil mit Gameboys, raten Kreuzworträtsel oder haben ein Handy am Ohr. Mit wem sie wohl telefonieren ... ? Auf jeden Fall schauen alle Mädchen ziemlich gelangweilt aus. Tote Hose im Harem, klar. Der einzige Gast in diesem Freudenhaus bin ich, und der Haushaltsvorstand ist voll und ganz beschäftigt mit der blonden Sirene an seiner Seite.
Vanessa nimmt die Champagnerflasche und gießt den Rest in mein Glas. »Oh, schon leer!« sagt sie verwundert. »Wollen wir noch eine Flasche trinken?« Dabei legt sie ihre Hand auf mein Knie. Ich komme auf dumme Gedanken. Wenn der Scheich so abgelenkt ist, denke ich, dann würde er es vielleicht gar nicht bemerken, wenn ich ein bisschen mit Vanessa schmuse!
Wieder scheint die Haremsdame meinen Gedanken zu ahnen. Sie ergreift meine Hand, legt sie auf ihren Oberschenkel und gemeinsam schieben wir sie in Richtung auf das, was sich zwei Handbreit unter ihrem Nabel befindet und bei allen Völkern der Welt schon Kabale und Liebe ausgelöst hat. Leicht öffnet Vanessa ihre festen, glatten Schenkel. Sie fühlen sich an, als wären sie mit orientalischem Öl eingerieben.
Meine Gedanken, vom Champagner beflügelt, werden frivoler. Meine Fingerspitzen berühren den Stoff von Vanessas Slip. Ihr scheint das zu gefallen. Sie kommt näher und flüstert mir ins Ohr: »Es gibt auch Zimmer hier ... nebenan!« Die polnische Haremsdame lächelt vielversprechend, der Duft ihres Parfüms ist betörend. »Zimmer? Äh ja, natürlich«, sage ich. Das klingt nicht gerade wie die Worte eines großen Verführers. Vanessa drückt ihren Unterleib genauso sanft wie fordernd gegen meine Hand, schaut mir dabei wieder tief in die Augen. Ich sehe dunkles Grün, in welchem bunte Blitze tanzen. Wie eine unendliche Wiese in den Strahlen der Sommersonne! Oder ist es eine Fata Morgana inmitten der Wüste? Egal, ich fühle, wie sich zwischen meinen Beinen ewas regt. Mein Stimmungsbarometer zeigt auf Hoch! Ich träume von einer Nacht auf orientalischem Diwan ... einem Bade zu zweit in lieblichen Essenzen ... leichte Entspannungsmassage mit duftendem Rosenöl, umfächert vom kühlen Hauch eines Palmenwedels. Dazu der nackte Leib von Vanessa, der sich wohlig windet und lustvoll stöhnt unter dem Streicheln meiner Hände ... »
Ich könnte Dir einen blasen!« unterbricht Vanessa meine Gedanken. Und die Romantik des Morgenlandes zerplatzt wie ein großer bunter Luftballon auf einer Nadel. Der Schleier des Orients wurde gelüftet durch den Originalton aus dem Okzident.
»Okay«, höre ich eine Stimme sagen. Es ist meine. Vanessa winkt rüber zu Lars. Der kommt und fragt, ob wir noch etwas zu trinken haben möchten. »Wir gehen nach oben«, sagt Vanessa. »Viel Spaß!« wünscht Lars und schaut aus, als gehöre dieser Gang nach oben zur Tagesordnung im Harem.
»Bekommen wir auch keinen Ärger?« frage ich die Haremsdame. »Ärger? Wieso?« fragt Vanessa. Und sie kommt zum geschäftlichen Teil des Abends: »Du musst nur `ne Flasche Schampus bestellen«, erklärt sie. »Die kostet 2oo Euro.«
»Äh, wieso 200 Euro ... ?« Ich bin leicht irritiert. Habe ich nicht zuvor bloß die Hälfte für den französischen Sprudel aus der Champagne bezahlt.
Im Preis ist das Zimmer enthalten«, klärt Vanessa mich auf. Ach so. Ich grinse. »Und du? Was ist dein Preis?« Die Haremsdame schüttelt den Kopf. Mit leichtem Vorwurf in der Stimme spricht sie: »Wo denkst du hin! Ich bin doch nicht käuflich!
« Lars bringt den Champagner, bevor ich die Flasche bestellt habe. Sie trägt nicht das Etikett der Witwe, sondern einen Namen, den ich nie zuvor auf einer Champagnerflasche gelesen habe. Ich denke: Egal, alles auf die große Spesenrechnung!
Der Haremswächter gibt Vanessa zwei Gläser. »Komm, wir gehen!« sagt die polnische Haremsdame zu mir. »Und vergiss den Schampus nicht!
« Ich nehme die Flasche in die linke und Vanessa nimmt meine rechte Hand. Wir machen uns auf den Weg nach oben ins Reich der Sinne, auf dass ich ein neues Kapitel schreibe im Kamasutra, auch wenn dieses Lehrbuch der Liebe ein indisches ist.
Wir gehen durch eine Tür hinter der Bar. Ein langer Gang folgt. Dann eine Treppe. Langsam gehen wir die Stufen nach oben. Es sieht aus hier wie in einem Hotel. Nur plüschiger. An den Wänden hängen ebenfalls erotische Illustrationen. In einer Ecke steht die Statue einer römischen Göttin in voller Nackt- und Schönheit. Und ich frage mich, was eine römische Göttin wohl in einem orientalischen Harem verloren hat.
Wir kommen an eine Rezeption. Dahinter sitzt ein älterer Herr vor einem Fernseher, auf dem ein Fußballspiel läuft. Der Mann begrüßt Vanessa wie eine gute Bekannte. Mich schaut er nur flüchtig interessiert an, sagt »'n Abend« und gibt Vanessa einen Zimmerschlüssel. Und ich spüre derweil, wie sich mein kleiner Freund dort unter meiner Gürtellinie fest darauf versteift, eine schöne Nacht im Harem durchzustehen.
Wir betreten das Zimmer. Schmusemusik kriecht aus versteckten Lautsprecherboxen. Im roten Schummerlicht erkenne ich ein französisches Bett.
Kissen und Handtücher liegen darauf. Vanessa riegelt die Tür von innen ab und schlüpft aus ihren hohen Schuhen. Plötzlich ist sie erheblich kleiner. Ich bücke mich, um ihr einen Kuss auf die Stirn zu geben. Die Haremsdame deutet auf einen Fernseher in der Ecke und fragt: »Willst Du `n Sexvideo gucken?
« Sexvideo? »Nein, danke!« sage ich. »Ich möchte viel lieber dich begucken!
« Vanessa kichert. »Klar!« sagt sie. »Zieh' dich aus, dann gehen wir duschen!«
Ich tue, was sie sagt. Vanessa schlüpft aus ihrem Kleidchen. Sie trägt keinen BH. Ihre Brüste sind klein und knackig wie frische Apfel vom Baume der erotischen Erkenntnis. Nun steht sie vor mir im weißen String und strahlt mich an. »Gefalle ich dir?« will sie wissen. »Du schaust toll aus!« sage ich, und das Atmen fällt mir schwer. Vanessa zieht ihren Slip aus. Ich sehe ihre fein rasierte Muschi mit einem leichten Rest von Schamhaar. Ich ergreife ein Handtuch und binde es um meine Hüfte. Aus welchem Grund auch immer bin ich schamhaft bemüht, das äußerliche Merkmal meiner inneren Erregung nicht allzu sichtbar werden zu lassen.
Wir verlassen das Zimmer, gehen über den Korridor zum Bad. Zusammen stellen wir uns unter die Dusche. Vanessa streichelt mein Anhängsel, sagt lachend: »Ich glaube, er mag mich!«
Während der warme Regen aus der Dusche über unsere Körper perlt, denke ich: Junge, was tust du hier eigentlich?! Und eine innere Stimme spricht zu mir: »Auch dein Kollege Goethe hat am eigenen Leibe recherchiert, bevor er Worte zu Papier gebracht hat wie: >Wenn dir 's im Kopf und Herzen schwirrt, was willst du Bessres haben! Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben!
« Damit sind all meine Zweifel genauso verflogen wie meine Bedenken begraben sind. Wir beenden den Duschakt. Vanessa frottiert mich ab und dreht mir dann ihren Rücken zu, damit ich ihn abtrockne. Wir binden unsere Duschtücher wieder um die Hüften und gehen den Flur entlang in Richtung auf das Zimmer, worinnen unsere liebevolle Vereinigung passieren soll, der sexuelle Flug in den siebenten Himmel morgenländischer Erotik.
Plötzlich kommt uns im Korridor der Sultan entgegen! An seiner Seite die Sultanine von der Bar. Mit glasigen Augen schaut der Pascha mich an, stützt sich dabei auf seine Gespielin. Die lacht laut und ordinär, setzt eine Flasche Champagner an ihren Hals, reibt sich anschließend mit ihrem Handrücken über den Mund und rülpst.
Au weia, denke ich, spätestens jetzt erkennt der Sultan meine Absicht - nun gibt's Trouble! Gibt's aber nicht. Der Herrscher des Hauses, der Scheich, Mogul oder Großwesir, geht wortlos an uns vorüber, verschwindet mit seiner Konkubine in einem der Gemächer. Ich bin dem Schwerte des Eunuchen entgangen. Oder zumindest dem Rausschmiss aus dem Harem.
»Puh!« sage ich. Vanessa scheint keinen Schreck bekommen zu haben. Sie öffnet unsere Zimmertür. Wir setzen uns auf die große rote Spielwiese. Vanessa gießt den Schampus in die Gläser, macht wieder einen Strohhalm zum Quirl. Wie von unsichtbarer Hand geöffnet, lösen sich die Handtücher von unseren Lenden: Unsere erfrischten Leiber nähern sich. Ich spüre die Haut des Mädchens auf der meinen, atme den Duft ein, der aus seinem Haar strömt. Seine Hände bewegen sich unterhalb meiner Gürtellinie ...
An dieser Stelle muss ich meine erotische Geschichte leider unterbrechen mit dem Hinweis, dass es bei Erotik bleiben und nicht ausarten soll in nackte Sexualität. Versprochen ist versprochen. Schließlich will ich als Autor auch öffentliche Dichterlesungen aus meinem Werk machen, ohne rot zu werden bei der Schilderung meiner Liebesnacht, welche ich verbracht habe mit der Haremsdame Vanessa, die sich mir als polnische Tochter der griechischen Liebesgöttin Aphrodite offenbart hat.
Eine gute Stunde später habe ich mich von Vanessa verabschiedet. Von Lars ließ ich mir einen Beleg geben über Speisen und Getränke, obwohl ich außer ein paar gerösteten Erdnüssen an der Bar keine weiteren Speisen zu mir genommen habe.
Ich gehe hinaus in die Nacht. Wohltuende Kühle empfängt mich nach einem heißen Sommertag. Ich bin etwas durcheinander, versuche, meine Gedanken zu ordnen. Und wenn ich nicht genau wüsste, dass ich soeben in einem orientalischen Harem gewesen bin, lieber Leser - ich hätte das Etablissement für einen deutschen Puff gehalten!
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