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How I Fucked Jamal: Ein Interview mit Cornelia Travnicek

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Es hatte einige Zeit gedauert, bis dieses Interview per E-Mail zustande kam. Dann ging alles ganz schnell: Die Fragen waren fertig und die Antworten von Cornelia Travnicek da. Bei dem Bild (Credits: Hermann Rauschmayr) dachte ich für einen Moment wie es wohl wäre, wenn mir die Autorin ihre Haare so für ein zwei Stunden leihen würde. In die Hülle einer Person schlüpfen, die ich nicht bin. Spannend. So übrigens liest es sich auch, wenn man Cornelia Travnicek liest. Es ist das "Schlüpfen" in Personen, Worte und Gedanken. Zumindest bei den Erzählungen in "Fütter mich".


Zur Autorin: 1987 im Jänner (St. Pölten) in Österreich geboren, befindet sich Cornelia Travnicek derzeit im Masterstudium der Sinologie an der Universität Wien. Auf die Frage warum sie schreibe, würde sie ab sofort (wann immer das war) mit der Gegenfrage antworten, warum der Fragesteller nicht selber schreibe. Mehr Biografisches über Cornelia Travnicek auf ihrer Homepage und im Literaturcafé (bis Klagenfurt anruft). Mittlerweile sind vier Jahre vergangen.




Ihre Schriftsteller-Kollegin Milena Michiko Flasar hat in Ihrem Debüt-Roman Ich bin“ geschrieben: ich habe mich aber entschieden: Ich werde schreiben. Diese Entscheidung wenigstens ist, was ich dazu-tun  kann. Es ist jedes Mal von einer fast erstickenden Schönheit, zu  sehen, wie alles zu sprechen beginnt.  Wie war das bei Ihnen?
Grundsätzlich kann man sicher von einer Entscheidung sprechen, sogar von einer sehr aktiven Entscheidung, deren man sich bewusst war. „Das will ich auch können“, war explizit der Gedanke, der an einem bestimmten Punkt in meinem Kopf war. Allerdings ist das auch wieder falsch, denn natürlich habe ich auch schon vorher geschrieben – vielleicht nur eben nicht aufgeschrieben.

Maßgeblich habe wohl Wolfgang Gabel mit seinem Roman „Fix und fertig“ zu  Ihrem Entschluss beigetragen, mit dem Schreiben zu beginnen. Unter anderem weil: der Protagonist Hesse und Celan gelesen und selbst Gedichte geschrieben habe. Gibt es weitere Bücher und Autoren, die sie maßgeblich beeinflusst haben oder noch beeinflussen?
Da gibt es sehr viele und ihre Aufzählungen halte ich für potentiell gefährlich – man würde mich immer wieder darauf ansprechen oder gar festlegen. Oder am Ende gar vergleichen! Wenn Sie mich persönlich nach einer Buchempfehlung für Sie fragen, werde ich Ihnen gerne eine geben. Aber wenn Sie mich allgemein nach DEM Buch (oder auch den zwei oder drei Büchern), das oder die mich beeinflusst haben, fragen, dann kann ich diese Frage nicht beantworten – es wäre immer gelogen.

Mit der Veröffentlichung eigener Texte geht man immer auch ein persönliches Risiko ein. Das Risiko, sich angreifbar zu machen. Zum Beispiel gegenüber Menschen, die Bücher lesen, die ihnen nicht gefallen, um sie hernach genüsslich zu tranchieren. Wie gehen Sie persönlich mit Kritik an Ihren Texten um?
Mit Kritik an meinen Texten habe ich kein Problem. Manchmal nimmt man diese Kritik durchaus als Ansporn für zukünftige Texte, man möchte natürlich an den Texten auch wachsen. Sollte die Kritik jedoch allzu persönlich sein, so fällt das meiner Meinung nach sowieso auf den Kritisierenden zurück, Leser erkennen das bestimmt.

Viele Autorinnen und Autoren entwickeln im Lauf der Zeit Strategien, fast schon Marotten, um konzentriert(er) schreiben zu können. Wie ist das bei Ihnen: Sitzen Sie als hauptsächlich wohl in Wien lebende Autorin hin und wieder schreibend in einem der vielen Caféhäuser, oder ist das nicht mehr zeitgemäß?
Natürlich sitze ich regelmäßig in Cafehäusern, es kommt auch vor, dass ich dort schreibe ;)  Allerdings schreibe ich auch sehr viel im Zug, in der Straßenbahn, im Bett oder eben auf meinem Arbeitsplatz, weil dort mein Computer steht. Ich schreibe wenn die Inspiration einschlägt, auch in den unpassendsten Momenten – würde ich mich vor ein leeres Blatt setzen ohne einen Satz im Kopf, hätte ich auf der Stelle eine Schreibblockade.

Vor einiger Zeit wurden Sie einmal als Literatur-Girlie bezeichnet.  Inzwischen zählen Sie zu den hoffnungsvollen österreichischen Nachwuchs-Autorinnen, sind vielleicht schon über diese Stufe hinweg. Wie schätzen Sie diese öffentliche Wahrnehmung, wie schätzen Sie sich selbst ein?
Die öffentliche Wahrnehmung ist sehr stark vom Geburtsdatum einer Autorin beeinflusst. Ich sehe mich selbst immer einfach als Schreibende, egal ob vor zwei Jahren, jetzt oder in der Zukunft – schreiben ist etwas, an dem ich Freude habe. Was daraus wird, lässt sich für mich (und wohl auch für andere) schwer abschätzen.

Sie sind viel unterwegs und haben schon in „frühen Jahren“ reichlich  Erfahrung gesammelt in Bezug auf Veranstaltungen wie Präsentationen  und Lesungen. Wie steht es inzwischen mit dem Lampenfieber vor dem  "Anpfiff"?
Inzwischen gehe ich schon gelassener an Lesungen heran, vor allem kleinere Lesungen machen mir nicht mehr viel aus. Zu besonderen Anlässen kommt das Lampenfieber trotzdem regelmäßig wieder. Genauso wie am Schreiben habe ich aber auch am Vorlesen Spass, der die Aufregung bei weitem überwiegt. Ich hoffe jedes Mal mein Publikum spürt das.

Auf vielen dieser Veranstaltungen lernt „man“ sich kennen. Was bedeuten  Ihnen Kontakt und Austausch mit den schreibenden Kolleginnen und Kollegen?
Sehr viel, ich habe schon einige gute Freundschaften „im Betrieb“ geknüpft, die über den Austausch bei Veranstaltungen hinausgehen. Das ist wie mit jeder anderen Leidenschaft – wenn Sie gerne Tennis spielen und Sie öfters jemanden am Platz treffen, der ihnen sympathisch ist, dann werden Sie mit Sicherheit anfangen hier und da gemeinsam zu spielen. Allerdings sollte man sich nicht zu stark an den anderen orientieren, sonst könnte einem schnell der eigene Tonfall abhanden kommen, da muss man den Mittelweg finden.

Vor einiger Zeit, genauer gesagt 2007, haben Sie sich in einer  Beitragsserie im Literaturcafé tendenziell kritisch gegenüber  Literaturforen geäußert. Inzwischen gibt es ganz neue Möglichkeiten  wie die Dienste von Twitter und facebook. In beiden sind Sie präsent. Welche Erwartungen verknüpfen Sie als Autorin mit diesen Social-Networks?
Für mich besteht keinerlei Vergleichbarkeit zwischen Literaturforen und Social-Networks im Bezug auf Literatur. Natürlich ist der aufmerksamkeitshaschende Aspekt bei beiden der gleiche, jedoch habe ich keine „Trolle“ unter meinen Facebook-Freunden :) (Und wenn man einen hätte, könnte man ihn entfernen). Ich verwende die Social Networks eher als Informationsmedium für interessierte Personen, als Nachrichtenwerkzeug für Freunde und Bekannte, die ich nicht so oft sehe, und als Kontaktmöglichkeit für meine ersten „Fans“.

Im April 2010 erscheint eine Anthologie mit dem Titel „How i fucked  Jamal“ im Milena-Verlag (Wien). Als gemeinsame Herausgeberin mit Mieze  Medusa stellen sie die literarische Frage  nach der  „Funktionsfähigkeit“ des globalisierten Beischlafs und lassen  zahlreiche junge Autorinnen und Autoren zu Wort kommen. Wie sieht das vorläufige Fazit aus?
Es ist ein beeindruckender Querschnitt entstanden, der sich mit den unterschiedlichsten Aspekten dieser Frage beschäftigt. Leise und laute Texte, wie es im Verlagstext so treffend heißt, welche die vielfältigen Hintergründe und Gedanken der AutorInnen zu diesem Thema widerspiegeln. Ich bin sehr zufrieden mit den Texten unserer Autorinnen und Autoren, außerdem haben wir eine ganz interessante Mischung – größere Namen neben AutorInnen, von denen keinerlei Veröffentlichungen in Bücher vorliegen, von denen man aber mit Sicherheit noch hören wird.
Das erfreulichste war, dass niemand, den wir gefragt haben, uns keinen text schicken wollte – das zeigt, wie interessant und präsent die Frage ist, dass wir also den Zeitgeist getroffen haben.

Zum Abschluss: Wie bereits erwähnt, konnten Sie schon einige Jahre Erfahrung sammeln im Literaturbetrieb mit all seinen großen und kleinen Eigenheiten und Tücken. Welche Ratschläge würden Sie sich rückblickend selbst mit auf den Weg geben?
Eigentlich bin ich versucht zu sagen, ich möchte mir gar keine Ratschläge geben, denn aus Fehlern lernt man sicher am nachhaltigsten. Allerdings hätte mir in bestimmten Momenten etwas mehr Geduld keinesfalls geschadet – das ist auch ein Rat, den ich ihn Zukunft gerne befolgen möchte.

 


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