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Stefan aus dem Siepen: Die Entzifferung der Schmetterlinge (Rezension)
Geschrieben von: daswortreich Montag, den 26. Mai 2008 um 18:23 Uhr
Mal ganz ehrlich: Es gibt Bücher, die machen durch das Cover neugierig, es gibt Bücher, die machen auf Grund des Titels neugierig – und es gibt Bücher, die machen auf Grund des Covers, des Titels und dem Namen des Autors neugierig: Stefan aus dem Siepen. Der Name klingt, doch ja, ein wenig aristokratisch und ein wenig verstaubt. Oder zumindest angestaubt. Und tatsächlich: Stefan aus dem Siepen schreibt ein wenig angestaubt, aber nur ein wenig: und dafür umso liebenswürdiger, da er die Sprache sorgfältig in Nachkriegssätze verpackt.
Sein aktuelles Buch "Die Entzifferung der Schmetterlinge" liest sich, als würde man sich an der Sprache das eine oder andere Jahrzehnt zurück in die Vergangenheit hangeln, was keineswegs falsch ist. Der Stil, den Stefan aus den Siepen pflegt, ist einer, der voll und ganz dem Charakter seines Protagonisten Peter Nauten entspricht.
Peter Nauten gehört nicht so richtig in diese Welt. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten sehr wohl. Er personifiziert eine Art Einsamkeit, die - schaut man genauer - sehr weit verbreitet ist. Peter Nauten kämpft sich irgendwie durch, versucht sich den Dingen zu stellen, egal ob Kindheit, Jugend, erwachsen werden und erwachsen sein; oder wie auch immer. Was zählt, ist die Norm und nicht das, was sich außerhalb selbiger abspielt, die irgendwo festgelegt wird, egal ob beabsichtigt oder nicht.
Peter Nauten hat - vermutlich - die falschen Eltern inklusive dem falschen Elternhaus, die falsche Frau, ein falsches Äußeres, das sich nach Innen krempelt - rückt Zeile für Zeile, Seite für Seite, an den Randbezirk der Norm: nämlich die, zu funktionieren. Egal wie.
Ob als Student alter Sprachen, als Sachbearbeiter einer großen Versicherung, als Bedienung in einem Rentner-Cafe, das sich nach dem Ableben in ein In-Lokal mit geringer Halbwertszeit verwandelt. Peter Nauten macht viel, ohne je wirklich anzukommen.
Ich bin mir nicht sicher, wo genau Stefan aus dem Siepen seinen literarischen Protagonist ansiedeln wollte, eines aber ist sicher: Peter Nauten ist ein glaubwürdiger Protagonist. Sein Leben ist wie eine Leinwand, auf die ich als Leser schaue. Egal wohin Peter Nauten sich mit seinen ihm gegebenen Mitteln auf den Weg macht, ich möchte ihn begleiten, ihm zurufen, dass seine "Marotten" nicht tragfähig seien, zumindest nicht für die Gegenwart - und schon gar nicht die Marotte, Schmetterlinge entziffern zu wollen, als würden diese eine Sprache auf ihren zarten Flügeln mit sich tragen. Oder etwa doch?
Bleibt zum Schluss das letzte Kapitel, das mir gefällt, obwohl ich es als ein wenig zu episch angelegt empfinde, was vielleicht daran liegt, dass Autoren sich von geliebten Protagonisten nicht mit einfachen Gedanken verabschieden möchten. So ist es halt. Enttäuschend war es keineswegs, nur ein wenig zu episch eben.
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