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Brigitte Reimann: Das Leben einer Schriftstellerin in der DDR

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  Die Nacht liegt über Köln. Es ist kalt und ruhig, wenn nicht gerade ein Auto irgendwo hin unterwegs ist. Im Fernsehen lief eben der vom MDR im Jahr 2004 produzierte Film !Hunger nach Leben" Das Portrait einer Autorin, die 1973 verstarb, gerade einmal 39 Jahre jung.  Ein bischen erinnert Brigitte Reimann an die Sängerin Nico (Christa Päffgen) von Velvet Underground. Äußerlich. Und vielleicht auch innerlich. Beide irgendwie gefangen in der inneren Freiheit. Die eine in der Welt zuhause, die andere in der Welt neben der Welt. Die DDR in einem frühen Entwicklungsstadium. Brigitte Reiman in einem zwiespältigen Verhältnis zu dem Regime, das sie anziehend und abstossend zugleich finden wird.


Der Film selbst scheitert ein wenig an seinem eigenen Anspruch, gleichzeitig die entstehende Willkür in der DDR und der inneren Exaltiertheit Brigitte Reimans gerecht zu werden. Es ist eine Liaison Dangereuse zwischen Brigitte Reimann und der damals noch jungen, aber deswegen nicht weniger zielstrebigen DDR, die von Beginn an den real existierenden Sozialismus propagierte und Künstler aller Sparten vereinnahmte, um etwas vermeintlich Großes aufzubauen. In Hoyerswerda, dem Ort, der 1991 auf beschämende Art und Weise durch brutale Übergriffe auf Ausländer zu Ruhm kam, ist auch für Brigitte Reimann ein Schicksalsort. Die potemkinsche Fassade des Arbeiter- und Bauernstaates verliert vor ihren Augen den Glanz. Die sozialistische Wirklichkeit ist eine von Stasi und SED diktierte Scheinwirklichkeit.

Parallel, der durchaus gelungene Part des Films, wird Brigitte Heimann als eine Frau portraitiert, deren Hunger auf Leben wie eine sich immer wieder selbst enfachende Flamme auflodert, ein Flächenbrand der sich so schnell wieder zurückzieht, wie er gekommen ist, um mit unverminderter Kraft erneut zurück zu kehren. Das Zuviel an Emotionen, an Arbeit und Alkohol sowie die Desillusionierung in Bezug auf die DDR hinterlassen ihre Spuren. Gerade einmal 39 Jahre jung, stirbt Brigitte Reimann an Krebs. Der letzte, unvollendete Roman "Franziska Linkerhand" erscheint posthum im Jahr 1974. Mit der Neuauflage der vollständigen Ausgabe 1998 auf Basis des überlieferten Typoskripts bestätigte sich der Verdacht, dass SED-Funktionäre veranlasst hatten, vor allem systemkritische Passagen aus dem Buch zu streichen. Man geht inzwischen etwa von 4% aus.

Hunger nach Leben, mit Hilfe von Motiven aus den Tagebüchern Brigitte Reimanns entstanden, ist ein filmischer Drahtseilakt mit einer tollen Martina Gedeck als Autorin, der die allerdings die eine oder andere Irritation hinterlässt – aber auch die Neugier auf eine Autorin, deren Texte, Gedanken und Gefühle ganz anderen Bedingungen unterlagen, als die der eingangs erwähnten Sängerin Nico, die sich frei bewegen konnte, aber genauso wenig in sich selbst frei war wie eben Brigitte Reimann.

Ein Blick auf die der Autorin Brigitte Reimann gewidmeten Homepage lohnt bei Interesse.

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