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20 Jahre Mauerfall - und noch kein Ende in Sicht

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In meinem persönlichen Fundus der Erinnerungen gekramt, kann ich im familiären Bereich kein positives Fazit hervorzaubern. Die Mauer hatte uns über viele Jahre mit dem Teil der Familie eben hinter jener Mauer verbunden. Der Fall der Mauer hat zur Trennung beigeführt. In wenigen Wochen. Ein emotionales Paradoxon, vermutlich der Illusion geschuldet, das Geld würde im goldenen Westen vom Himmel fallen wie ein erlösender Platzregen während schwüler Sommertage. Gehört zum Großen und Ganzen, ist aber eine andere Geschichte.

Das ändert nichts daran, dass mit dem Fall der Mauer ein physischer und psychischer Treppenwitz der jüngeren politischen Geschichte abrupt und zu Recht beendet wurde. Einer, was man nicht vergessen darf, ganz humorlos hunderten von Menschen das Leben gekostet hat. Über das "Wie" nach dem Mauerfall lässt sich vorzüglich streiten. Die versprochenen "blühenden Landschaften" gehören nach wie vor einer blühenden Fantasie an, die durch die üblichen Verdächtigen wie Falschgeld in Umlauf gebracht wurde.

Die sich ausbreitende Ostalgie kann ich als Westler sehr gut verstehen. Ein psychologischer Effekt: Man beginnt das zu verteidigen, was einem von vielen Seiten madig gemacht wird. Das DDR-Regime war eine durch und durch Menschen verachtende Diktatur, die ihre Bürgerinnen und Bürger mit deutscher Gründlichkeit bespitzelt, drangsaliert und auch mal "vernichtet" hat. Trotzdem waren viele Menschen in der Lage, sich in diesem Terrorregime zu arrangieren, ohne sich "mit" ihm zu arrangieren. Dieses Stückchen innere Freiheit, dieses Stück Stolz würde ich ebenfalls verteidigen und sei es mit Spreewälder Gurken, Rotkäppchen-Sekt, Ampelmännchen oder F6-Zigaretten. Fatal wäre nur, gleichzeitig dem Terror-Regime gute Seiten abgewinnen zu wollen. Es gab keine. Nicht eine. Die bessere Lösung wäre wohl dennoch gewesen, die DDR sich selbst demokratisieren zu lassen. Mit moderat beratender und finanzieller Unterstützung aus dem Westen.

Auch wenn der eine oder andere wirklich große Politiker im Hintergrund den Mauerfall ermöglichte, manche aus Instinkt, manche mit einer unappetittlichen Portion Größenwahn im Bauch: Die eigentlichen Sieger sind die friedlichen Revolutionäre aus der ehemaligen DDR. Ihnen allen möchte ich nach zwanzig Jahren ein weiteres Mal gratulieren. Und danken.

Trotzdem hoffe und glaube ich, dass alle Ampeln auf Grün stehen, auch wenn es noch ein, vielleicht sogar zwei Generationen dauern wird, bis die Mauern in vielen Köpfen auf beiden Seiten so niedrig sind, dass man sie ohne Anstrengung überschreiten kann.

 


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