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Feuilleton Rezensionen Rezension: Yusuf Yesilöz - Hochzeitsflug
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Beim Überfliegen der Handlung überwog zunächst die Skepsis: Möchte ich einen Roman lesen, der sich mit all den Unwägbarkeiten der gleichgeschlechtlichen Liebe befasst? Mit den Ressentiments, die sich trotz Christopher Street Days, homosexuellen Oberbürgermeistern, Sportlern usw. quer durch die Gesellschaft zieht? Ist das heterosexuelle Liebesleben nicht schon kompliziert genug? Einerseits.

Andererseits: Die Neugier war größer, da der aus einem anatolischen Dorf stammende Autor Yusuf Yeşilöz (mit seiner Familie in Winterthur lebend) das bereits in sich schwierige Thema in „Hochzeitsflug“ zusätzlich mit einem heimatlich kulturellen Kontrast konfrontiert. Der anatolische Begriff der Tradition wird durch Yusuf Yeşilöz von allen erdenklichen Seiten her beleuchtet. Mal kühl und präzise, dann wieder voller Wehmut, um den Inhalt des Begriffs kurz darauf wieder gegen die Gedankenwand zu klatschen.

Im Mittelpunkt Beyto, einziger Sohn einer Familie, die einst aus der Türkei flüchtete. Nicht aus politischen, sondern aus sehr familiären Gründen. Als Fixstern in der Fremde leuchtet das Heimatdorf mit seiner tief in den Menschen verankerten Denkweise – vor allem bei den Eltern – heller als alles andere. Heller als die Neonreklame in der viel belebten Bischofsstraße (originell oder nicht originell?) in der neuen Heimat, die durch gesellschaftliche Eigenheiten immer ein wenig fremd bleiben wird. Gewichtiger Teil dieser Tradition sind Eheversprechen, die Eltern für ihre Kinder abgeben.

Ungewollt wird Beyto Teil dieser Tradition: Bei einer Reise in die Heimat, die er mit acht Jahren gemeinsam mit seinen Eltern verlassen musste, kommt es zur seit seiner Geburt geplanten Hochzeit mit der Cousine.

An dieser Stelle wird vermutlich der literarische Spagat bei einigen Leser/Innen beginnen. Je nach kultureller Couleur und intellektueller Orientierung. Warum lässt sich jemand zwangsverheiraten und wehrt sich nicht dagegen. Warum nicht das konsequente Outing des Protagonisten gegenüber den Eltern längst vor dem „Hochzeitsflug wie von Beytos Freund Manuel vehement gefordert?

Yusuf Yeşilöz, 1987 in der Schweiz angekommen, gibt Antworten auf die wesentlichen Fragen, die immer wieder auftauchen. Wie es scheint, hat er dabei seinen persönlichen Weg gefunden zwischen den Kulturen, genauso wie innerhalb der beiden Kulturen, ohne den Antworten eine anmaßende Endgültigkeit zu verpassen. Dafür hat er zu viel Respekt vor den Unwägbarkeiten

Erschienen: Februar 2011  Preis: 27,80 Euro Autor/In: Yusuf Yesilöz Verlag: Limmat Ausgabe: Gebunden Land: Schweiz Seiten: 198 ISBN 13: 978-3857916229 Versanddauer: 2 bis 4 Tage Bestell-Service bei Amazon: Hochzeitsflug

 

 


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